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Pascals Wette
In Diskussionen mit Christen taucht sie immer wieder mal auf, fast
unweigerlich - die Pascalsche Wette. Diese Wette geht in etwa so:
"Wenn Du an Gott glaubst, aber Gott existiert nicht, so verlierst
Du nichts - aber wenn Du nicht an Gott glaubst, und Gott existiert, so
wirst Du in die Hölle geworfen. Deswegen ist es dumm, nicht an Gott zu
glauben"
In dieser Wette verbergen sich eine ganze Reihe von Trugschlüssen und
Täuschungen. Nicht alle sind offensichtlich, und obwohl Pascals Wette
schon lange als "erledigt" gilt, taucht diese Wette mit großer
Hartnäckigkeit immer wieder auf.
Fangen wir an: "Wenn Du an Gott glaubst, aber Gott existiert nicht,
so verlierst Du nichts". Da haben wir schon den ersten Irrtum.
Denn je nachdem wie viel Anbetung, kultische Verrichtungen und die
strikte Befolgung einer obskuren Moral von mir verlangt wird, verliere
ich eine ganze Menge, vor allem Zeit. Da ich nur dieses eine Leben auf der Erde
habe, ist der Verlust an Zeit besonders schmerzlich. Außerdem: "Religiöse
Konformität, ein Werkzeug der Tyrannen, ist eine Bedrohung der
Freiheit" (Dan Barker, in "Losing
Faith In Faith").
Im Original sieht die Wette daher auch so aus, dass die "geringen,
aber endlichen" Mühen den "gewaltigen, weil ewigen" Gewinnen
entgegengestellt werden. Diese Diskrepanz scheint diese Wette so
attraktiv zu machen.
Im Grundmuster benützt diese Wette einen alten Trick, nämlich die
Verkürzung auf zwei Alternativen, zwischen denen gewählt werden soll,
wobei die Bedingungen so formuliert werden, dass eine Alternative als
besonders attraktiv erscheint.
Ich demonstriere diesen Trick einmal. "Entweder, ich bin
wahnsinnig, oder aber ich habe in allem hier auf dieser Website recht.
Wäre ich wahnsinnig, wäre ich weder in der Lage, diese Website zu
gestalten noch würde ich frei herumlaufen. Also habe ich in allem
recht".
Gesehen? Ich unterschlage mit dieser Behauptung eine ganze Reihe von Alternativen.
Ich
könnte z. B. wahnsinnig sein und doch recht haben, oder ich
könnte völlig normal sein, aber trotzdem im Unrecht sein. Ich könnte
in allem recht haben oder eben nur in einem Teil, in 10% oder 20% oder
jeder beliebigen anderen Zahl. Dies ist der Alles-Oder-Nichts-Trick.
Was die Wette angeht, so zähle ich einfach mal ein paar Bedingungen
auf, unter denen die Wette zu meinen Ungunsten ausgeht, obwohl ich an
Gott glaube und Gott existiert (ohne Anspruch auf
Vollständigkeit, im Gegenteil, es gibt so viele Alternativen, dass
eine komplette Aufzählung jeden Rahmen sprengen würde):
-
Gott existiert, aber es gibt kein Leben nach dem Tode.
-
Gott denkt über Bestrafung anders und bestraft die Menschen, die
nur um eines Vorteils willen an ihn glauben.
-
Gott ist es völlig gleichgültig, ob ich an ihn glaube oder
nicht, sondern er bemisst mich nur an meinen Taten, nicht nach
meinem Glauben.
-
Gott existiert, aber der Islam hat recht. Da ich an die falsche
Religion glaube, lande ich in der Hölle.
-
Gott bestraft die Menschen, die an ihn glauben, weil sie nicht
genug Gebrauch von ihrer Vernunft machen.
-
Gott bestraft die Menschen, deren Hybris sie dazu veranlasst, in
SEINEM Namen zu handeln vorzugeben.
-
Gott interessiert es nicht, was die Menschen tun oder lassen
oder glauben.
-
Es gibt keine Hölle, und alle Menschen bekommen das ewige Leben.
-
Es gibt eine Hölle, und alle Menschen kommen dort hinein.
-
Ich beleidige Gott, in dem ich an ihn glaube. Denn durch den
Glauben gestalte ich ihn nach meinem Bild.
-
Gott interessiert sich nicht für das Universum, sondern hat es
Satan überlassen. Der aber mag es überhaupt nicht, wenn man an Gott
glaubt ...
-
Der Glaube an Gott reicht nicht aus, um die Unsterblichkeit zu
gewinnen, ich muss noch andere Bedingungen erfüllen, die ich aber
leider nicht kenne.
-
Gott würfelt aus, wer in die Hölle kommt und wer nicht.
-
... usw. usf.
Um die Wette akzeptabel zu finden, muss ich
bereits an einen ganz bestimmten, genau festgelegten Gott mit
spezifischen Eigenschaften glauben. Weicht auch nur eine der für Gott
angenommen Eigenschaften vom tatsächlichen Gott ab (wenn er denn
überhaupt existiert), dann verliere ich die Wette, obwohl ich glaube,
sie zu gewinnen. Nur wenn der Glaube richtig ist, dann macht diese
Wette überhaupt einen Sinn. Sonst wette ich beim Pferderennen, dass
Michael Schumacher auf Ferrari gewinnt.
Nun soll die Wette aber beweisen (bzw. plausibel machen), dass es
sinnvoll ist, an Gott zu glauben. Dieser Beweis funktioniert nur, wenn
die Voraussetzung stimmt, dass ein ganz bestimmter Gott existiert,
dessen Existenz durch die Wette bewiesen werden soll etc. pp. - wir
drehen uns ewig im Kreis. Es handelt sich also um eine typische
Denkfalle - wer aber einmal darin steckt, der hat Schwierigkeiten,
diesen Umstand zu begreifen. Das ist das tückische an diesen Fallen.
Die Wette enthält übrigens auch keinen Hinweis, an welchem Gott
man glauben soll - da wären ein paar Tausend zur Auswahl.
Übrigens kann man die Wette auch "invertieren". Sie sieht dann so aus:
Wenn man an einen Gott
glaubt, der gut ist, dann wirft er keine Menschen in die Hölle, nur
weil sie nicht an ihn glauben. Wenn man aber glaubt, so glaubt man
möglicherweise auch an einen Betrug. Und wenn man andere dazu
verleitet an einen Betrug zu glauben, dann hat man sie betrogen, damit
gegen eine Moral verstoßen, die die die Lüge unter Strafe stellt.
Indem wir die
Wahrheitsliebe
höher bewerten als den blinden Glauben an das, was uns erzählt
wird, aber nicht überprüfbar ist, kommen wir zu diesem Ergebnis. Die
Wahrheitsliebe ist im Übrigen auch die notwendige Basis für
jedes Vertrauensverhältnis. Wenn wir also die vertrauensvolle
Gemeinschaft mit einem höheren Wesen wollen, das angeblich existiert,
das wir aber nicht erkennen können, dann sollten wir dies auch in
dieser Weise bekennen.
Man kann die Bedingungen der Wette stets so formulieren, dass sie die
gerade gehegte Auffassung verstärkt. Zu mehr taugt diese Wette nicht.
Man kann an ihr auch sehr gut messen, wie tief man bereits in den
Denkfallen drin steckt, denn je mehr man dieser zirkulären Logik
verfallen ist, umso schwerer ist es, die Fehler dieser Wette zu sehen
...
Letztlich kommt man nicht an der Tatsache vorbei, dass alle Gott
unterstellten Eigenschaften substanzlose Spekulationen sind.
Zum Abschluss dieses Themas noch ein Zitat aus einer Erzählung:
"Der Philosoph Ventre antwortete dem Atheisten: "Vielleicht existieren
die Götter, und vielleicht auch nicht. Warum also sollte man nicht an
sie glauben? Denn wenn es wahr ist, dann gelangst Du an einen
lieblichen Ort, wenn Du stirbst, und wenn es nicht wahr ist, dann hast
Du nichts verloren, richtig?".
Nach seinem Tod wachte er auf, umringt von Göttern mit übel
aussehenden Prügeln in der Hand, und einer von ihnen sagte: "Wir
werden Dir jetzt zeigen, was wir von Mister Ach-Ich-Bin-So-Clever in
dieser Frage halten ..."" (Terry Pratchett,
"Hogfather" - Übersetzung von Volker Dittmar).
Eine Diskussion dieser Wette in englischer Sprache finden Sie
hier. Eine weitere sehr gute
Auseinandersetzung mit der Wette stammt von Jim
Huber (dem Autor der
Geschichte von Hank). Sehr gut ist auch
The
Rejection of Pascal"s Wager.
Siehe auch "Das furchtbare Vielleicht".
Quelle:
http://www.dittmar-online.net/index.html
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