|
Friedrich Nietzsche
Zur
Genealogie der Moral
Erste Abhandlung:
»Gut und Böse« - »Gut und Schlecht«
1.
Diese englischen Psychologen, denen man bisher auch die einzigen
Versuche zu danken hat, es zu einer Entstehungsgeschichte der Moral zu
bringen, - sie geben uns mit sich selbst kein kleines Rätsel auf; sie
haben sogar, dass ich es gestehe, eben damit, als leibhaftige Rätsel,
etwas Wesentliches vor ihren Büchern voraus - sie selbst sind
interessant!.
Diese englischen Psychologen - was wollen sie
eigentlich? Man findet sie, sei es nun freiwillig oder unfreiwillig, immer
am gleichen Werke, nämlich die partie honteuse unsrer inneren Welt in den
Vordergrund zu drängen und gerade dort das eigentlich Wirksame, Leitende,
für die Entwicklung Entscheidende zu suchen, wo der intellektuelle Stolz
des Menschen es am letzten zu finden wünschte (zum Beispiel in der vis
inertiae der Gewohnheit oder in der Vergesslichkeit oder in einer blinden
und zufälligen Ideen-Verhäkelung und - Mechanik oder in irgend etwas
Rein-Passivem, Automatischem, Reflexmäßigem, Molekularem und
Gründlich-Stupidem) - was treibt diese Psychologen eigentlich immer gerade
in diese Richtung? Ist es ein heimlicher, hämischer, gemeiner, seiner
selbst vielleicht uneingeständlicher Instinkt der Verkleinerung des
Menschen? Oder etwa ein pessimistischer Argwohn, das Misstrauen von
enttäuschten, verdüsterten, giftig und grün gewordenen Idealisten? Oder
eine kleine unterirdische Feindschaft und Rancune gegen das Christentum
(und Plato), die vielleicht nicht einmal über die Schwelle des
Bewusstseins gelangt ist? Oder gar ein lüsterner Geschmack am
Befremdlichen, am Schmerzhaft-Paradoxen, am Fragwürdigen und Unsinnigen
des Daseins? Oder endlich - von Allem Etwas, ein wenig Gemeinheit, ein
wenig Verdüsterung, ein wenig Antichristlichkeit, ein wenig Kitzel und
Bedürfnis nach Pfeffer? ... Aber man sagt mir, dass es einfach alte,
kalte, langweilige Frösche seien, die am Menschen herum, in den Menschen
hinein kriechen und hüpfen, wie als ob sie da so recht in ihrem Elemente
wären, nämlich in einem Sumpfe. Ich höre das mit Widerstand, mehr noch,
ich glaube nicht daran; und wenn man wünschen darf, wo man nicht wissen
kann, so wünsche ich von Herzen, dass es umgekehrt mit ihnen stehen möge,
- dass diese Forscher und Mikroskopiker der Seele im Grunde tapfere,
großmütige und stolze Tiere seien, welche ihr Herz wie ihren Schmerz im
Zaum zu halten wissen und sich dazu erzogen haben, der Wahrheit alle
Wünschbarkeit zu opfern, jeder Wahrheit, sogar der schlichten, herben,
hässlichen, widrigen, unchristlichen, unmoralischen Wahrheit . . . Denn es
gibt solche Wahrheiten.
2.
Alle Achtung also vor den guten Geistern, die in diesen Historikern der
Moral walten mögen! Aber gewiss ist leider, dass ihnen der historische
Geist selber abgeht, dass sie gerade von allen guten Geistern der Historie
selbst in Stich gelassen worden sind! Sie denken allesamt, wie es nun
einmal alter Philosophen-Brauch ist, wesent1ich unhistorisch; daran ist
kein Zweifel. Die Stümperei ihrer Moral-Genealogie kommt gleich am Anfang
zu Tage, da, wo es sich darum handelt, die Herkunft des Begriffs und
Urteils »gut« zu ermitteln. »Man hat ursprünglich - so dekretieren sie
unegoistische Handlungen von Seiten Derer gelobt und gut genannt, denen
sie erwiesen wurden, also denen sie nütz1ich waren; später hat man diesen
Ursprung des Lobes vergessen und die unegoistischen Handlungen einfach,
weil sie gewohnheitsmäßig immer als gut gelobt wurden, auch als gut
empfunden - wie als ob sie an sich etwas Gutes wären.« Man sieht sofort:
diese erste Ableitung enthält bereits alle typischen Züge der englischen
Psychologen-Idiosynkrasie, wir haben »die Nützlichkeit«, »das Vergessen«,
»die Gewohnheit« und am Schluss »den Irrtum«, Alles als Unterlage einer
Werthschätzung, auf welche der höhere Mensch bisher wie auf eine Art
Vorrecht des Menschen überhaupt stolz gewesen ist. Dieser Stolz so1l
gedemütigt, diese Werthschätzung entwertet werden: ist das erreicht? . . .
Nun liegt für mich erstens auf der Hand, dass von dieser Theorie der
eigentliche Entstehungsherd des Begriffs »gut« an falscher Stelle gesucht
und angesetzt wird: das Urteil »gut« rührt nicht von Denen her, welchen
»Güte« erwiesen wird! Vielmehr sind es »die Guten« selber gewesen, das
heißt die Vornehmen, Mächtigen, Höhergestellten und Hochgesinnten, welche
sich selbst und ihr Thun als gut, nämlich als ersten Ranges empfanden und
ansetzten, im Gegensatz zu allem Niedrigen, Niedrig-Gesinnten, Gemeinen
und Pöbelhaften. Aus diesem Pathos der Distanz heraus haben sie sich das
Recht, Werte zu schaffen, Namen der Werte auszuprägen, erst genommen: was
gierig sie die Nützlichkeit an! Der Gesichtspunkt der Nützlichkeit ist
gerade in Bezug auf ein solches heißes Herausquellen oberster
rangordnender, rangabhebender Werturteile so fremd und unangemessen wie
möglich: hier ist eben das Gefühl bei einem Gegensatze jenes niedrigen
Wärmegrades angelangt, den jede berechnende Klugheit, jeder
Nützlichkeits-Kalkül voraussetzt, - und nicht für einmal, nicht für eine
Stunde der Ausnahme, sondern für die Dauer. Das Pathos der Vornehmheit und
Distanz, wie gesagt; das dauernde und dominierende Gesamt- und Grundgefühl
einer höheren herrschenden Art im Verhältnis zu einer niederen Art, zu
einem »Unten« - das ist der Ursprung des Gegensatzes »gut« und »schlecht«.
(Das Herrenrecht, Namen zu geben, geht so weit, dass man sich erlauben
sollte, den Ursprung der Sprache selbst als Machtäußerung der Herrschenden
zu fassen: sie sagen »das ist das und das«, sie siegeln jegliches Ding und
Geschehen mit einem Laute ab und nehmen es dadurch gleichsam in Besitz.)
Es liegt an diesem Ursprunge, dass das Wort »gut« sich von vornherein
durchaus nicht notwendig an »unegoistische« Handlungen anknüpft: wie es
der Aberglaube jener Moralgenealogen ist. Vielmehr geschieht es erst bei
einem Niedergange aristokratischer Werturteile, dass sich dieser ganze
Gegensatz »egoistisch« »unegoistisch« dem menschlichen Gewissen mehr und
mehr aufdrängt, - es ist, um mich meiner Sprache zu bedienen, der
Herdeninstinkt , der mit ihm endlich zu Worte (auch zu Worten) kommt. Und
auch dann dauert es noch lange, bis dieser Instinkt in dem Maße Herr wird,
dass die moralische Werthschätzung bei jenem Gegensatze geradezu hängen
und stecken bleibt (wie dies zum Beispiel im gegenwärtigen Europa der Fall
ist: heute herrscht das Vorurteil, welches »moralisch«, »unegoistisch«, »desinteresse«
als gleichwertige Begriffe nimmt, bereits mit der Gewalt einer »fixen
Idee« und Kopfkrankheit).
3.
Zweitens aber: ganz abgesehen von der historischen Unhaltbarkeit jener
Hypothese über die Herkunft des Werturteils »gut«, krankt sie an einem
psychologischen Widersinn in sich selbst. Die Nützlichkeit der
unegoistischen Handlung soll der Ursprung ihres Lobes sein, und dieser
Ursprung soll. vergessen worden sein: - wie ist dies Vergessen auch nur
mög1ich ? Hat vielleicht die Nützlichkeit solcher Handlungen irgendwann
einmal aufgehört? Das Gegenteil ist der Fall: diese Nützlichkeit ist
vielmehr die Alltagserfahrung zu allen Zeiten gewesen, Etwas also, das
fortwährend immer neu unterstrichen [261] wurde; folglich, statt aus dem
Bewusstsein zu verschwinden, statt vergessbar zu werden, sich dem
Bewusstsein mit immer, größerer Deutlichkeit eindrücken musste. Um wie
viel vernünftiger ist jene entgegengesetzte Theorie (sie ist deshalb nicht
wahrer -), welche zum Beispiel von Herbert Spencer vertreten wird: der den
Begriff »gut« als wesensgleich mit dem Begriff »nützlich«, »zweckmäßig«
ansetzt, so dass in den Urteilen »gut« und »schlecht« die Menschheit
gerade ihre unvergessnen und unvergessbaren Erfahrungen über
nützlich-zweckmäßig, über schädlich-unzweckmäßig aufsummiert und
sanktioniert habe. Gut ist, nach dieser Theorie, was sich von jeher als
nützlich bewiesen hat: damit darf es als »wertvoll im höchsten Grade«, als
»wertvoll an sich« Geltung behaupten. Auch dieser Weg der Erklärung ist,
wie gesagt, falsch, aber wenigstens ist die Erklärung selbst in sich
vernünftig und psychologisch haltbar.
4.
- Den Fingerzeig zum rechten Wege gab mir die Frage, was eigentlich die
von den verschiedenen Sprachen ausgeprägten Bezeichnungen des »Guten« in
etymologischer Hinsicht zu bedeuten haben: da fand ich, dass sie allesamt
auf die gleiche Begriffs-Verwandlung zurückleiten, dass überall »vornehm«,
»edel« im ständischen Sinne der Grundbegriff ist, aus dem sich »gut« im
Sinne von »seelisch-vornehm«, »edel«, von »seelisch-hochgeartet«,
»seelisch privilegiert« mit Notwendigkeit heraus entwickelt: eine
Entwicklung, die immer parallel mit jener anderen läuft, welche »gemein«,
»pöbelhaft«, »niedrig« schließlich in den Begriff »schlecht« übergehen
macht. Das beredteste Beispiel für das Letztere ist das deutsche Wort
»schlecht« selber: als welches mit »schlicht« identisch ist - vergleiche
»schlechtweg«, »schlechterdings« - und ursprünglich den schlichten, den
gemeinen Mann noch ohne einen verdächtigenden Seitenblick, einfach im
Gegensatz zum Vornehmen bezeichnete. Um die Zeit des dreißigjährigen
Kriegs ungefähr, also spät genug, verschiebt sich dieser Sinn in den jetzt
gebräuchlichen. - Dies scheint mir in Betreff der Moral-Genealogie eine
wesent1iche Einsicht; dass sie so spät erst gefunden wird, liegt an dem
hemmenden Einfluss, den das demokratische Vorurteil innerhalb der modernen
Welt in Hinsicht auf alle Fragen der Herkunft ausübt. Und dies bis in das
anscheinend objektivste Gebiet der Naturwissenschaft und Physiologie
hinein, wie hier nur angedeutet werden soll. Welchen Unfug aber dieses
Vorurteil, einmal bis zum Hass entzügelt, in Sonderheit für Moral und
Historie anrichten kann, zeigt der berüchtigte Fall Buckle's; der
P1ebejismus des modernen Geistes, der englischer Abkunft ist, brach da
einmal wieder auf seinem heimischen Boden heraus, heftig wie ein
schlammiger Vulkan und mit jener versalzten, überlauten, gemeinen
Beredsamkeit, mit der bisher alle Vulkane geredet haben.
5.
In Hinsicht auf unser Problem, das aus guten Gründen ein stil1es Problem
genannt werden kann und sich wählerisch nur an wenige Ohren wendet, ist es
von keinem kleinen Interesse, festzustellen, dass vielfach noch in jenen
Worten und Wurzeln, die »gut« bezeichnen, die Hauptnuance durchschimmert,
auf welche hin die Vornehmen sich eben als Menschen höheren Ranges
fühlten. Zwar benennen sie sich vielleicht in den häufigsten Fällen
einfach nach ihrer Überlegenheit an Macht (als »die Mächtigen«, »die
Herren«, »die Gebietenden«) oder nach dem sichtbarsten Abzeichen dieser
Überlegenheit, zum Beispiel als »die Reichen«, »die Besitzenden« (das ist
der Sinn von arya; und entsprechend im Eranischen und Slawischen). Aber
auch nach einem typischen Charakterzuge: und dies ist der Fall, der uns
hier angeht. Sie heißen sich zum Beispiel »die Wahrhaftigen«: voran der
griechische Adel, dessen Mundstück der Megarische Dichter Theognis ist.
Das dafür ausgeprägte Wort bedeutet der Wurzel nach Einen, der ist
, der Realität hat, der wirklich ist, der wahr ist; dann, mit einer
subjektiven Wendung, den Wahren als den Wahrhaftigen: in dieser Phase der
Begriffs-Verwandlung wird es zum Schlag- und Stichwort des Adels und geht
ganz und gar in den Sinn »adelig« über, zur Abgrenzung vom 1ügenhaften
gemeinen Mann, so wie Theognis ihn nimmt und schildert, - bis endlich das
Wort, nach dem Niedergange des Adels, zur Bezeichnung der seelischen
noblesse übrig bleibt und gleichsam reif und süß wird. Im Worte wie
in
(der Plebejer im Gegensatz zum
) ist die Feigheit
unterstrichen: dies gibt vielleicht einen Wink, in welcher Richtung man
die etymologische Herkunft des mehrfach deutbaren
zu suchen hat. Im
lateinischen malus (dem ich zur Seite stelle) könnte der gemeine
Mann als der Dunkelfarbige, vor allem als der Schwarzhaarige (»hic niger
est«) gekennzeichnet sein, als der vorarische Insasse des italischen
Bodens, der sich von der herrschend gewordenen blonden, nämlich arischen
Eroberer-Rasse durch die Farbe am deutlichsten abhob; wenigstens bot mir
das Gälische den genau entsprechenden Fall, - fin (zum Beispiel im Namen
Fin-Gal), das abzeichnende Wort des Adels, zuletzt der Gute, Edle, Reine,
ursprünglich der Blondkopf, im Gegensatz zu den dunklen, schwarzhaarigen
Ureinwohnern. Die Kelten, beiläufig gesagt, waren durchaus eine blonde
Rasse; man tut Unrecht, wenn man jene Streifen einer wesentlich
dunkelhaarigen Bevölkerung, die sich auf sorgfältigeren ethnographischen
Karten Deutschlands bemerkbar machen, mit irgend welcher keltischen
Herkunft und Blutmischung in Zusammenhang bringt, wie dies noch Virchow
tut: vielmehr schlägt an diesen Stellen die vorarische Bevölkerung
Deutschlands vor. (Das Gleiche gilt beinahe für ganz Europa: im
Wesentlichen hat die unterworfene Rasse schließlich daselbst wieder die
Oberhand bekommen, in Farbe, Kürze des Schädels, vielleicht sogar in
den intellektuellen und sozialen Instinkten: wer steht uns dafür, ob nicht
die moderne Demokratie, der noch modernere Anarchismus und namentlich
jener Hang zur »Commune«, zur primitivsten Gesellschaftsform, der allen
Sozialisten Europas jetzt gemeinsam ist, in der Hauptsache einen
ungeheuren Nachschlag zu bedeuten hat - und dass die Eroberer- und Herren
Rasse , die der Arier, auch physiologisch im Unterliegen ist? . ..) Das
lateinische bonus glaube ich als »den Krieger« auslegen zu dürfen:
vorausgesetzt, dass ich mit Recht bonus auf ein älteres duonus zurückführe
(vergleiche bellum = duellum = duen-lum, worin mir jenes duonus erhalten
scheint). Bonus somit als Mann des Zwistes, der Entzweiung (duo), als
Kriegsmann: man sieht, was im alten Rom an einem Manne seine »Güte«
ausmachte. Unser deutsches »Gut« selbst: sollte es nicht »den Göttlichen«,
den Mann »göttlichen Geschlechts« bedeuten? Und mit dem Volks
(ursprünglich Adels-)Namen der Goten identisch sein? Die Gründe zu dieser
Vermutung gehören nicht hierher.
6.
Von dieser Regel, dass der politische Vorrangs-Begriff sich immer in einen
seelischen Vorrangs-Begriff auslöst, macht es zunächst noch keine Ausnahme
(obgleich es Anlass zu Ausnahmen gibt), wenn die höchste Kaste zugleich
die priester1iche Kaste ist und folglich zu ihrer Gesamt-Bezeichnung ein
Prädikat bevorzugt, das an ihre priesterliche Funktion erinnert. Da tritt
zum Beispiel »rein« und »unrein« sich zum ersten Male als Ständeabzeichen
gegenüber; und auch hier kommt später ein »gut« und ein »schlecht« in
einem nicht mehr ständischen Sinne zur Entwicklung. Im Übrigen sei man
davor gewarnt, diese Begriffe »rein« und »unrein« nicht von vornherein zu
schwer, zu weit oder gar symbolisch zu nehmen: alle Begriffe der älteren
Menschheit sind vielmehr anfänglich in einem uns kaum ausdenkbaren Maße
grob, plump, äußerlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbo1isch
verstanden worden. Der »Reine« ist von Anfang an bloß ein Mensch, der sich
wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich
ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft,
der einen Abscheu vor Blut hat, - nicht mehr, nicht viel mehr! Andrerseits
erhellt es freilich aus der ganzen Art einer wesentlich priesterlichen
Aristokratie, warum hier gerade frühzeitig sich die Wertungs-Gegensätze
auf eine gefährliche Weise verinnerlichen und verschärfen konnten; und in
der Tat sind durch sie schließlich Klüfte zwischen Mensch und Mensch
aufgerissen worden, über die selbst ein Achill der Freigeisterei nicht
ohne Schauder hinwegsetzen wird. Es ist von Anfang an etwas Ungesundes in
solchen priesterlichen Aristokratien und in den daselbst herrschenden, dem
Handeln abgewendeten, teils brütenden, teils gefühlsexplosiven
Gewohnheiten, als deren Folge jene den Priestern aller Zeiten fast
unvermeidlich anhaftende intestinale Krankhaftigkeit und Neurasthenie
erscheint; was aber von ihnen selbst gegen diese ihre Krankhaftigkeit als
Heilmittel erfunden worden ist, - muss man nicht sagen, dass es sich
zuletzt in seinen Nachwirkungen noch hundert Mal gefährlicher erwiesen
hat, als die Krankheit, von der es erlösen sollte? Die Menschheit selbst
krankt noch an den Nachwirkungen dieser priesterlichen Kur-Naivitäten!
Denken wir zum Beispiel an gewisse Diätformen (Vermeidung des Fleisches),
an das Fasten, an die geschlechtliche Enthaltsamkeit, an die Flucht »in
die Wüste« (Weit Mitchell'sche Isolierung, freilich ohne die darauf
folgende Mastkur und Überernährung, in der das wirksamste Gegenmittel
gegen alle Hysterie des asketischen Ideals besteht): hinzugerechnet die
ganze sinnenfeindliche, faul- und raffiniert-machende Metaphysik der
Priester, ihre Selbst-Hypnotisierung nach Art des Fakirs und Brahmanen -
Brahman als gläserner Knopf und fixe Idee benutzt - und das schließliche,
nur zu begreifliche allgemeine Satthaben mit seiner Radikalkur, dem Nichts
(oder Gott: - das Verlangen nach einer unio mystica mit Gott ist das
Verlangen des Buddhisten ins Nichts, Nirvana - und nicht mehr!-). Bei den
Priestern wird eben Alles gefährlicher, nicht nur Kurmittel und
Heilkünste, sondern auch Hochmut, Rache, Scharfsinn, Ausschweifung, Liebe,
Herrschsucht, Tugend, Krankheit; - mit einiger Billigkeit ließe sich
allerdings auch hinzufügen, dass erst auf dem Boden dieser wesentlich
gefährlichen Daseinsform des Menschen, der priesterlichen, der Mensch
überhaupt ein interessantes Tier geworden ist, dass erst hier die
menschliche Seele in einem höheren Sinne Tiefe bekommen hat und böse
geworden ist - und das sind ja die beiden Grundformen der bisherigen
Überlegenheit des Menschen über sonstiges Getier! . . .
7.
- Man wird bereits erraten haben, wie leicht sich die priesterliche
Wertungs-Weise von der ritterlich-aristokratischen abzweigen und dann zu
deren Gegensatze fortentwickeln kann; wozu es in Sonderheit jedes Mal
einen Anstoß gibt, wenn die Priesterkaste und die Kriegerkaste einander
eifersüchtig entgegentreten und über den Preis mit einander nicht einig
werden wollen. Die ritterlich-aristokratischen Werturteile haben zu ihrer
Voraussetzung eine mächtige Leiblichkeit, eine blühende, reiche, selbst
überschäumende Gesundheit, samt dem, was deren Erhaltung bedingt, Krieg,
Abenteuer, Jagd, Tanz, Kampfspiele und Alles überhaupt, was starkes,
freies, frohgemutes Handeln in sich schließt. Die priesterlich-vornehme
Wertungsweise hat - wir sahen es - andere Voraussetzungen: schlimm genug
für sie, wenn es sich um Krieg handelt! Die Priester sind, wie bekannt,
die bösesten Feinde - weshalb doch? Weil sie die ohnmächtigsten sind. Aus
der Ohnmacht wächst bei ihnen der Hass ins Ungeheure und Unheimliche, ins
Geistigste und Giftigste. Die ganz großen Hasser in der Weltgeschichte
sind immer Priester gewesen, auch die geistreichsten Hasser: - gegen den
Geist der priesterlichen Rache kommt überhaupt aller übrige Geist kaum in
Betracht. Die menschliche Geschichte wäre eine gar zu dumme Sache ohne den
Geist, der von den Ohnmächtigen her in sie gekommen ist: - nehmen wir
sofort das größte Beispiel. Alles, was auf Erden gegen »die Vornehmen«,
»die Gewaltigen«, »die Herren«, »die Machthaber« getan worden ist, ist
nicht der Rede wert im Vergleich mit dem, was die Juden gegen sie getan
haben: die Juden, jenes priesterliche Volk, das sich an seinen Feinden und
Überwältigern zuletzt nur durch eine radikale Umwertung von deren Werten,
also durch einen Akt der geistigsten Rache Genugtuung zu schaffen wusste.
So allein war es eben einem priesterlichen Volke gemäß, dem Volke der
zurückgetretensten priesterlichen Rachsucht. Die Juden sind es gewesen,
die gegen die aristokratische Werthgleichung (gut = vornehm = mächtig =
schön = glücklich = gottgeliebt) mit einer furchteinflößenden
Folgerichtigkeit die Umkehrung gewagt und mit den Zähnen des
abgründlichsten Hasses (des Hasses der Ohnmacht) festgehalten haben,
nämlich »die Elenden sind allein die Guten, die Armen, Ohnmächtigen,
Niedrigen sind allein die Guten, die Leidenden, Entbehrenden, Kranken,
Hässlichen sind auch die einzig Frommen, die einzig Gottseligen, für sie
allein gibt es Seligkeit, dagegen ihr, ihr Vornehmen und Gewaltigen, ihr
seid in alle Ewigkeit die Bösen, die Grausamen, die Lüsternen, die
Unersättlichen, die Gottlosen, ihr werdet auch ewig die Unseligen,
Verfluchten und Verdammten sein!« ... Man weiß, wer die Erbschaft dieser
jüdischen Umwertung gemacht hat .. . Ich erinnere in Betreff der
ungeheuren und über alle Maßen verhängnisvollen Initiative, welche die
Juden mit dieser grundsätzlichsten aller Kriegserklärungen gegeben haben,
an den Satz, auf den ich bei einer anderen Gelegenheit gekommen bin
(»Jenseits von Gut und Böse« p. 118) - dass nämlich mit den Juden der
Sk1avenaufstand in der Mora1 beginnt: jener Aufstand, welcher eine
zweitausendjährige Geschichte hinter sich hat und der uns heute nur
deshalb aus den Augen gerückt ist, weil er - siegreich gewesen ist . . .
8.
- Aber ihr versteht das nicht? Ihr habt keine Augen für Etwas, das zwei
Jahrtausende gebraucht hat, um zum Siege zu kommen? ... Daran ist Nichts
zum Verwundern: alle langen Dinge sind schwer zu sehn, zu übersehn. Das
aber ist das Ereignis: aus dem Stamme jenes Baums der Rache und des
Hasses, des jüdischen Hasses - des tiefsten und sublimsten, nämlich Ideale
schaffenden, Werte umschaffenden Hasses, dessen Gleichen nie auf Erden da
gewesen ist - wuchs etwas ebenso Unvergleichliches heraus, eine neue
Liebe, die tiefste und sublimste aller Arten Liebe: und aus welchem andern
Stamme hätte sie auch wachsen können? . . . Dass man aber ja nicht
vermeine, sie sei etwa als die eigentliche Verneinung jenes Durstes nach
Rache, als der Gegensatz des jüdischen Hasses emporgewachsen! Nein, das
Umgekehrte ist die Wahrheit! Diese Liebe wuchs aus ihm heraus, als seine
Krone, als die triumphierende, in der reinsten Helle und Sonnenfülle sich
breit und breiter entfaltende Krone, welche mit demselben Drange gleichsam
im Reiche des Lichts und der Höhe auf die Ziele jenes Hasses, auf Sieg,
auf Beute, auf Verführung aus war, mit dem die Wurzeln jenes Hasses sich
immer gründlicher und begehrlicher in Alles, was Tiefe hatte und böse war,
hinunter senkten. Dieser Jesus von Nazareth, als das leibhafte Evangelium
der Liebe, dieser den Armen, den Kranken, den Sündern die Seligkeit und
den Sieg bringende »Erlöser« - war er nicht gerade die Verführung in ihrer
unheimlichsten und unwiderstehlichsten Form, die Verführung und der Umweg
zu eben jenen jüdischen Werten und Neuerungen des Ideals? Hat Israel nicht
gerade auf dem Umwege dieses »Erlösers«, dieses scheinbaren Widersachers
und Auflösers Israel's, das letzte Ziel seiner sublimen Rachsucht
erreicht? Gehört es nicht in die geheime schwarze Kunst einer wahrhaft
großen Politik der Rache, einer weitsichtigen, unterirdischen,
langsam-greifenden und vorausrechnenden Rache, dass Israel selber das
eigentliche Werkzeug seiner Rache vor aller Welt wie etwas Todfeindliches
verleugnen und ans Kreuz schlagen musste, damit »alle Welt«, nämlich alle
Gegner Israel's unbedenklich gerade an diesem Köder anbeißen konnten? Und
wüsste man sich andrerseits, aus allem Raffinement des Geistes heraus,
überhaupt noch einen gefährlicheren Köder auszudenken? Etwas, das an
verlockender, berauschender, betäubender, verderbender Kraft jenem Symbol
des »heiligen Kreuzes« gleichkäme, jener schauerlichen Paradoxie eines
»Gottes am Kreuze«, jenem Mysterium einer unausdenkbaren letzten äußersten
Grausamkeit und Selbstkreuzigung Gottes zum Heile des Menschen? ... Gewiss
ist wenigstens, dass sub hoc signo Israel mit seiner Rache und Umwertung
aller Werte bisher über alle anderen Ideale, über alle vornehmeren Ideale
immer wieder triumphiert hat.
9.
- »Aber was reden Sie noch von vornehmeren Idealen! Fügen wir uns in die
Tatsachen: das Volk hat gesiegt - oder »die Sklaven«, oder »der Pöbel«,
oder »die Herde«, oder wie Sie es zu nennen belieben - wenn dies durch die
Juden geschehen ist, wohlan! so hatte nie ein Volk eine welthistorischere
Mission. »Die Herren« sind abgetan; die Moral des gemeinen Mannes hat
gesiegt. Man mag diesen Sieg zugleich als eine Blutvergiftung nehmen (er
hat die Rassen durch einander gemengt) - ich widerspreche nicht;
unzweifelhaft ist aber diese Intoxikation ge1ungen. Die »Erlösung« des
Menschengeschlechtes (nämlich von »den Herren«) ist auf dem besten Wege;
Alles verjüdelt oder verchristlicht oder verpöbelt sich zusehends (was
liegt an Worten!). Der Gang dieser Vergiftung, durch den ganzen Leib der
Menschheit hindurch, scheint unaufhaltsam, ihr tempo und Schritt darf
sogar von nun an immer langsamer, feiner, unhörbarer, besonnener sein -
man hat ja Zeit . . . Kommt der Kirche in dieser Absicht heute noch eine
notwendige Aufgabe, überhaupt noch ein Recht auf Dasein zu? Oder könnte
man ihrer entraten? Quaeritur. Es scheint, dass sie jenen Gang eher hemmt
und zurückhält, statt ihn zu beschleunigen? Nun, eben das könnte ihre
Nützlichkeit sein . . . Sicherlich ist sie nachgerade etwas Gröbliches und
Bäurisches, das einer zarteren Intelligenz, einem eigentlich modernen
Geschmacke widersteht. Sollte sie sich zum Mindesten nicht etwas
raffinieren? . . . Sie entfremdet heute mehr, als dass sie verführte . . .
Wer von uns würde wohl Freigeist sein, wenn es nicht die Kirche gäbe? Die
Kirche widersteht uns, n i c h t ihr Gift . . . Von der Kirche abgesehn
lieben auch wir das Gift ...« - Dies der Epilog eines »Freigeistes« zu
meiner Rede, eines ehrlichen Tiers, wie er reichlich verraten hat,
überdies eines Demokraten; er hatte mir bis dahin zugehört und hielt es
nicht aus, mich schweigen zu hören. Für mich nämlich gibt es an dieser
Stelle viel zu schweigen.
10.
Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das R e s s e n t i m
e n t selbst schöpferisch wird und Werte gebiert: das Ressentiment solcher
Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der Tat versagt ist, die sich
nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme
Moral aus einem triumphierenden, Ja-sagen zu sich selber herauswächst,
sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem »Außerhalb«, zu einem
»Anders«, zu einem »Nicht-selbst«: und dies Nein ist ihre schöpferische
Tat. Diese Umkehrung des wertesetzenden Blicks - diese notwendige Richtung
nach Außen statt zurück auf sich selber - gehört eben zum Ressentiment:
die Sklaven-Moral bedarf, um zu entstehn, immer zuerst einer Gegen- und
Außenwelt, sie bedarf, physiologisch gesprochen, äusserer Reize, um
überhaupt zu agieren, - ihre Aktion ist von Grund aus. Reaktion. Das
Umgekehrte ist bei der vornehmen Wertungsweise der Fall: sie agirt und
wächst spontan, sie sucht ihren Gegensatz nur auf, um zu sich selber noch
dankbarer, noch frohlockender Ja zu sagen, - ihr negativer Begriff
»niedrig« »gemein« »schlecht« ist nur ein nachgebornes blasses
Kontrastbild im Verhältnis zu ihrem positiven, durch und durch mit Leben
und Leidenschaft durchtränkten Grundbegriff »wir Vornehmen, wir Guten, wir
Schönen, wir Glücklichen!« Wenn die vornehme Wertungsweise sich vergreift
und an der Realität versündigt, so geschieht dies in Bezug auf die Sphäre,
welche ihr nicht genügend bekannt ist, ja gegen deren wirkliches Kennen
sie sich spröde zur Wehre setzt: sie verkennt unter Umständen die von ihr
verachtete Sphäre, die des gemeinen Mannes, des niedren Volks; andrerseits
erwäge man, dass jedenfalls der Affekt der Verachtung, des Herabblickens,
des Überlegen-Blickens, gesetzt, dass er das Bild des Verachteten fä1scht
, bei weitem hinter der Fälschung zurückbleiben wird, mit der der
zurückgetretene Hass, die Rache des Ohnmächtigen sich an seinem Gegner- in
effigie natürlich vergreifen wird. In der Tat ist in der Verachtung zu
viel Nachlässigkeit, zu viel Leicht-Nehmen, zu viel Wegblicken und
Ungeduld mit eingemischt, selbst zu viel eignes Frohgefühl, als dass sie
im Stande wäre, ihr Objekt zum eigentlichen Zerrbild und Scheusal
umzuwandeln. Man überhöre doch die beinahe wohlwollenden nuances nicht,
welche zum Beispiel der griechische Adel in alle Worte legt, mit denen er
das niedere Volk von sich abhebt; wie sich fortwährend eine Art Bedauern,
Rücksicht, Nachsicht einmischt und anzuckert, bis zu dem Ende, dass fast
alle Worte, die dem gemeinen Manne zukommen, schließlich als Ausdrücke für
»unglücklich« »bedauernswürdig« übrig geblieben sind (vergleiche
,
,
,
, letztere zwei eigentlich den gemeinen Mann
als Arbeitssklaven und Lasttier kennzeichnend) - und wie andrerseits
»schlecht« ..niedrig« »unglücklich« nie wieder aufgehört haben, für das
griechische Ohr in Einen Ton auszuklingen, mit einer Klangfarbe, in der
»unglücklich« überwiegt: dies als Erbstück der alten edleren
aristokratischen Wertungsweise, die sich auch im Verachten nicht
verleugnet (- Philologen seien daran erinnert, in welchem Sinne
,
,
,
,
gebraucht werden). Die Wohlgeborenen« fühlten sich eben als die
»Glücklichen«; sie hatten ihr Glück nicht erst durch einen Blick auf ihre
Feinde künstlich zu konstruieren, unter Umständen einzureden, einzu1ügen
(wie es alle Menschen des Ressentiment zu tun pflegen); und ebenfalls
wussten sie, als volle, mit Kraft überladene, folglich notwendig aktive
Menschen, von dem Glück das Handeln nicht abzutrennen, - das Tätigsein
wird bei ihnen mit Notwendigkeit ins Glück hineingerechnet (woher
seine Herkunft
nimmt) Alles sehr im Gegensatz zu dem »Glück« auf der Stufe der
Ohnmächtigen, Gedrückten, an giftigen und feindseligen Gefühlen
Schwärenden, bei denen es wesentlich als Narkose, Betäubung, Ruhe,
Frieden, »Sabbat«, Gemüts-Ausspannung und Gliederstrecken, kurz passiv
auftritt. Während der vornehme Mensch vor sich selbst mit Vertrauen und
Offenheit lebt ( »edelbürtig« unterstreicht die nuance
»aufrichtig« und auch wohl »naiv«), so ist der Mensch des Ressentiment
weder aufrichtig, noch naiv, noch mit sich selber ehrlich und geradezu.
Seine Seele schie1t ; sein Geist liebt Schlupfwinkel, Schleichwege und
Hintertüren, alles Versteckte mutet ihn an als seine Welt, seine
Sicherheit, sein Labsal; er versteht sich auf das Schweigen, das
Nicht-Vergessen, das Warten, das vorläufige Sich-verkleinern,
Sich-demütigen. Eine Rasse solcher Menschen des Ressentiment wird
notwendig endlich k1üger sein als irgend eine vornehme Rasse, sie wird die
Klugheit auch in ganz andrem Maße ehren: nämlich als eine
Existenzbedingung ersten Ranges, während die Klugheit bei vornehmen
Menschen leicht einen feinen Beigeschmack von Luxus und Raffinement an
sich hat: sie ist eben hier lange nicht so wesentlich, als die vollkommne
Funktions-Sicherheit der regulierenden unbewussten Instinkte oder selbst
eine gewisse Unklugheit, etwa das tapfre Drauflosgehn, sei es auf die
Gefahr, sei es auf den Feind, oder jene schwärmerische Plötzlichkeit von
Zorn, Liebe, Ehrfurcht, Dankbarkeit und Rache, an der sich zu allen Zeiten
die vornehmen Seelen wiedererkannt haben. Das Ressentiment des vornehmen
Menschen selbst, wenn es an ihm auftritt, vollzieht und erschöpft sich
nämlich in einer sofortigen Reaktion, es vergiftet darum nicht:
andrerseits tritt es in unzähligen Fällen gar nicht auf, wo es bei allen
Schwachen und Ohnmächtigen unvermeidlich ist. Seine Feinde, seine Unfälle,
seine Untaten selbst nicht lange ernst nehmen können - das ist das Zeichen
starker voller Naturen, in denen ein Überschuss plastischer,
nachbildender, ausheilender, auch vergessen machender Kraft ist (ein gutes
Beispiel dafür aus der modernen Welt ist Mirabeau, welcher kein Gedächtnis
für Insulte und Niederträchtigkeiten hatte, die man an ihm beging, und der
nur deshalb nicht vergeben konnte, weil er - vergaß). Ein solcher Mensch
schüttelt eben viel Gewürm mit Einem Ruck von sich, das sich bei Anderen
eingräbt; hier allein ist auch das möglich, gesetzt, dass es überhaupt auf
Erden möglich ist - die eigentliche »Liebe zu seinen Feinden«. Wie
viel Ehrfurcht vor seinen Feinden hat schon ein vornehmer Mensch! - und
eine solche Ehrfurcht ist schon eine Brücke zur Liebe . . . Er verlangt ja
seinen Feind für sich, als seine Auszeichnung, er hält ja keinen andren
Feind aus, als einen solchen, an dem Nichts zu verachten und sehr Viel zu
ehren ist! Dagegen stelle man sich »den Feind« vor, wie ihn der Mensch des
Ressentiment konzipiert - und hier gerade ist seine Tat, seine Schöpfung:
er hat »den bösen Feind« konzipiert, »den Bösen«, und zwar als
Grundbegriff, von dem aus er sich als Nachbild und Gegenstück nun auch
noch einen »Guten« ausdenkt - sich selbst! . . .
11.
Gerade umgekehrt also wie bei dem Vornehmen, der den Grundbegriff »gut«
voraus und spontan, nämlich von sich .aus konzipiert und von da aus erst
eine Vorstellung von .schlecht« sich schafft! Dies »schlecht« vornehmen
Ursprungs und jenes »böse« aus dem Braukessel des ungesättigten Hasses -
das erste eine Nachschöpfung, ein Nebenher, eine Komplementärfarbe, das
zweite dagegen das Original, der Anfang, die eigentliche Tat in der
Konzeption einer Sklaven-Moral - wie verschieden stehen die beiden
scheinbar demselben Begriff »gut« entgegen gestellten Worte »schlecht« und
»böse« da! Aber es ist nicht derselbe Begriff »gut«: vielmehr frage man
sich doch, wer eigentlich »böse« ist, im Sinne der Moral des Ressentiment.
In aller Strenge geantwortet: eben der »Gute« der andren Moral, eben der
Vornehme, der Mächtige, der Herrschende, nur umgefärbt, nur umgedeutet,
nur umgesehn durch das Giftauge des Ressentiment. Hier wollen wir Eins am
wenigsten leugnen: wer jene »Guten« nur als Feinde kennen lernte, lernte
auch nichts als böse Feinde kennen, und dieselben Menschen, welche so
streng durch Sitte, Verehrung, Brauch, Dankbarkeit, noch mehr durch
gegenseitige Bewachung, durch Eifersucht inter pares in Schranken gehalten
sind, die andrerseits im Verhalten zu einander so erfinderisch in
Rücksicht, Selbstbeherrschung, Zartsinn, Treue, Stolz und Freundschaft
sich beweisen, - sie sind nach Außen hin, dort wo das Fremde, die Fremde
beginnt, nicht viel besser als losgelassne Raubtiere. Sie gemessen da die
Freiheit von allem sozialen Zwang, sie halten sich in der Wildnis schadlos
für die Spannung, welche eine lange Einschließung und Einfriedigung in den
Frieden der Gemeinschaft gibt, sie treten in die Unschuld des
Raubtier-Gewissens zurück, als frohlockende Ungeheuer, welche vielleicht
von einer scheußlichen Abfolge von Mord, Niederbrennung, Schändung,
Folterung mit einem Übermut und seelischen Gleichgewicht davongehen, wie
als ob nur ein Studentenstreich vollbracht sei, überzeugt davon, dass die
Dichter für lange nun wieder Etwas zu singen und zu rühmen haben. Auf dem
Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubtier, die prachtvolle
nach Beute und Sieg lüstern schweifende b1onde Bestie nicht zu verkennen;
es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das
Tier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildnis zurück: - römischer,
arabischer, germanischer, japanischer Adel, homerische Helden,
skandinavische Wikinger - in diesem Bedürfnis sind sie sich alle gleich.
Die vornehmen Rassen sind es, welche den Begriff »Barbar« auf all den
Spuren hinterlassen haben, wo sie gegangen sind; noch aus ihrer höchsten
Kultur heraus verrät sich ein Bewusstsein davon und ein Stolz selbst
darauf (zum Beispiel wenn Perikles seinen Athenern sagt, in jener
berühmten Leichenrede, »zu allem Land und Meer hat unsre Kühnheit sich den
Weg gebrochen, unvergängliche Denkmale sich überall im Guten u n d S c h 1
i m m e n aufrichtend«). Diese »Kühnheit« vornehmer Rassen, toll, absurd,
plötzlich, wie sie sich äußert, das Unberechenbare, das Unwahrscheinliche
selbst ihrer Unternehmungen Perikles hebt die
der Athener mit Auszeichnung hervor - ihre Gleichgültigkeit und Verachtung
gegen Sicherheit, Leib, Leben, Behagen, ihre entsetzliche Heiterkeit und
Tiefe der Lust in allem Zerstören, in allen Wollüsten des Siegs und der
Grausamkeit - Alles fasste sich für Die, welche daran litten, in das Bild
des »Barbaren«, des »bösen Feindes«, etwa des »Goten«, des »Vandalen«
zusammen. Das tiefe, eisige Misstrauen, das der Deutsche erregt, sobald er
zur Macht kommt, auch jetzt wieder - ist immer noch ein Nachschlag jenes
unauslöschlichen Entsetzens, mit dem Jahrhunderte lang Europa dem Wüten
der blonden germanischen Bestie zugesehn hat (obwohl zwischen alten
Germanen und uns Deutschen kaum eine Begriffs-, geschweige eine
Blutverwandtschaft besteht). Ich habe einmal auf die Verlegenheit Hesiod's
aufmerksam gemacht, als er die Abfolge der Kultur-Zeitalter aussann und
sie in Gold, Silber, Erz auszudrücken suchte: er wusste mit dem
Widerspruch, den ihm die herrliche, aber ebenfalls so schauerliche, so
gewalttätige Welt Homer's bot, nicht anders fertig zu werden, als indem er
aus Einem Zeitalter zwei machte, die er nunmehr hinter einander stellte -
einmal das Zeitalter der Helden und Halbgötter von Troja und Theben, so
wie jene Welt im Gedächtnis der vornehmen Geschlechter zurückgeblieben
war, die in ihr die eignen Ahnherrn hatten; sodann das eherne Zeitalter,
so wie jene gleiche Welt den Nachkommen der Niedergetretenen, Beraubten,
Misshandelten, Weggeschleppten, Verkauften erschien: als ein Zeitalter von
Erz, wie gesagt, hart, kalt, grausam, gefühl- und gewissenlos, Alles
zermalmend und mit Blut übertünchend. Gesetzt, dass es wahr wäre, was
jetzt jedenfalls als »Wahrheit« geglaubt wird, dass es eben der Sinn aller
Ku1tur sei, aus dem Raubtiere »Mensch« ein zahmes und zivilisiertes Tier,
ein Haustier herauszuzüchten, so müsste man unzweifelhaft alle jene
Reaktions- und Ressentiments-Instinkte, mit deren Hülfe die vornehmen
Geschlechter samt ihren Idealen schließlich zu Schanden gemacht und
überwältigt worden sind, als die eigentlichen Werkzeuge der Ku1tur
betrachten; womit allerdings noch nicht gesagt wäre, dass deren Träger
zugleich auch selber die Kultur darstellten. Vielmehr wäre das Gegenteil
nicht nur wahrscheinlich nein! es ist heute augenscheinlich! Diese Träger
der niederdrückenden und vergeltungslüsternen Instinkte, die Nachkommen
alles europäischen und nicht europäischen Sklaventums, aller vorarischen
Bevölkerung in Sonderheit sie stellen den Rückgang der Menschheit dar!
Diese »Werkzeuge der Kultur« sind eine Schande des Menschen, und eher ein
Verdacht, ein Gegenargument gegen »Kultur« überhaupt! Man mag im besten
Rechte sein, wenn man vor der blonden Bestie auf dem Grunde aller
vornehmen Rassen die Furcht nicht los wird und auf der Hut ist: aber wer
möchte nicht hundertmal lieber sich fürchten, wenn er zugleich bewundern
darf, als sich nicht fürchten, aber dabei den ekelhaften Anblick des
Missratenen, Verkleinerten, Verkümmerten, Vergifteten nicht mehr los
werden können? Und ist das nicht unser Verhängnis? Was macht heute unsern
Widerwillen gegen »den Menschen«? - denn wir 1eiden am Menschen, es ist
kein Zweifel. Nicht die Furcht; eher, dass wir Nichts mehr am Menschen zu
fürchten haben; dass das Gewürm »Mensch« im Vordergrunde ist und wimmelt;
dass der »zahme Mensch«, der Heillos-Mittelmäßige und Unerquickliche
bereits sich als Ziel und Spitze, als Sinn der Geschichte, als »höheren
Menschen« zu fühlen gelernt hat; - ja dass er ein gewisses Recht darauf
hat, sich so zu fühlen, insofern er sich im Abstande von der Überfülle des
Missratenen, Kränklichen, Müden, Verlebten fühlt, nach dem heute Europa zu
stinken beginnt, somit als etwas wenigstens relativ Geratenes, wenigstens
noch Lebensfähiges, wenigstens zum Leben ja-sagendes . . .
12.
- Ich unterdrücke an dieser Stelle einen Seufzer und eine letzte
Zuversicht nicht. Was ist das gerade mir ganz Unerträgliche? Das, womit
ich allein nicht fertig werde, was mich ersticken und verschmachten macht?
Schlechte Luft! Schlechte Luft! Dass etwas Missratenes in meine Nähe
kommt; dass ich die Eingeweide einer missratenen Seele riechen muss! . . .
Was hält man sonst nicht aus von Not, Entbehrung, bösem Wetter, Siechtum,
Mühsal, Vereinsamung? Im Grunde wird man mit allem Übrigen fertig, geboren
wie man ist zu einem unterirdischen und kämpfenden Dasein; man kommt immer
wieder einmal ans Licht, man erlebt immer wieder seine goldene Stunde des
Siegs, und dann steht man da, wie man geboren ist, unzerbrechbar,
gespannt, zu Neuem, zu noch Schwererem, Fernerem bereit, wie ein Bogen,
den alle Not immer nur noch straffer anzieht. - Aber von Zeit zu Zeit
gönnt mir - gesetzt, dass es himmlische Gönnerinnen gibt, jenseits von Gut
und Böseeinen Blick, gönnt mir Einen Blick nur auf etwas Vollkommenes,
zu-Ende-Geratenes, Glückliches, Mächtiges, Triumphierendes, an dem es noch
Etwas zu fürchten gibt! Auf einen Menschen, der den Menschen rechtfertigt,
auf einen komplementären und erlösenden Glücksfall des Menschen, um
deswillen man den Glauben a n den Menschen festhalten darf! . . . Denn so
steht es: die Verkleinerung und Ausgleichung des europäischen Menschen
birgt unsre größte Gefahr, denn dieser Anblick macht müde . . . Wir sehen
heute Nichts, das größer werden will, wir ahnen, dass es immer noch
abwärts, abwärts geht, ins Dünnere, Gutmütigere, Klügere, Behaglichere,
Mittelmäßigere, Gleichgültigere, Chinesischere, Christlichere der Mensch,
es ist kein Zweifel, wird immer »besser« . . . Hier eben liegt das
Verhängnis Europas - mit der Furcht vor dem Menschen haben wir auch die
Liebe zu ihm, die Ehrfurcht vor ihm, die Hoffnung auf ihn, ja den Willen
zu ihm eingebüsst. Der Anblick des Menschen macht nunmehr müde - was ist
heute Nihilismus, wenn er nicht das ist? . . . Wir sind des Menschen müde
...
13.
- Doch kommen wir zurück: das Problem vom andren Ursprung des »Guten«,
vom Guten, wie ihn der Mensch des Ressentiment sich ausgedacht hat,
verlangt nach seinem Abschluss. - Dass die Lämmer den großen Raubvögeln
gram sind, das befremdet nicht: nur liegt darin kein Grund, es den großen
Raubvögeln zu verargen, dass sie sich kleine Lämmer holen. Und wenn die
Lämmer unter sich sagen »diese Raubvögel sind böse; und wer so wenig als
möglich ein Raubvogel ist, vielmehr deren Gegenstück, ein Lamm, - sollte
der nicht gut sein?« so ist an dieser Aufrichtung eines Ideals Nichts
auszusetzen, sei es auch, dass die Raubvögel dazu ein wenig spöttisch
blicken werden und vielleicht sich sagen: »wir sind ihnen gar nicht gram,
diesen guten Lämmern, wir lieben sie sogar: nichts ist schmackhafter als
ein zartes Lamm. « - Von der Stärke verlangen, dass sie sich nicht als
Stärke äußere, dass sie nicht ein Überwältigen-Wollen, ein
Niederwerfen-Wollen, ein Herrwerden-Wollen, ein Durst nach Feinden und
Widerständen und Triumphen sei, ist gerade so widersinnig als von der
Schwäche verlangen, dass sie sich als Stärke äußere. Ein Quantum
Kraft ist ein eben solches Quantum Trieb, Wille, Wirken - vielmehr, es ist
gar nichts anderes als eben dieses Treiben, Wollen, Wirken selbst, und nur
unter der Verführung der Sprache (und der in ihr versteinerten
Grundirrtümer der Vernunft), welche alles Wirken als bedingt durch ein
Wirkendes, durch ein »Subjekt« versteht und missversteht, kann es anders
erscheinen. Ebenso nämlich, wie das Volk den Blitz von seinem Leuchten
trennt und letzteres als Tun, als Wirkung eines Subjekts nimmt, das Blitz
heißt, so trennt die Volks-Moral auch die Stärke von den Äußerungen der
Stärke ab, wie als ob es hinter dem Starken ein indifferentes Substrat
gäbe, dem es freistünde , Stärke zu äußern oder auch nicht. Aber es gibt
kein solches Substrat; es gibt kein »Sein« hinter dem Thun, Wirken,
Werden; »der Täter« ist zum Thun bloß hinzugedichtet, - das Thun ist
Alles. Das Volk verdoppelt im Grunde das Tun, wenn es den Blitz
leuchten lässt, das ist ein Tun-Tun: es setzt dasselbe Geschehen einmal
als Ursache und dann noch einmal als deren Wirkung. Die Naturforscher
machen es nicht besser, wenn sie sagen »die Kraft bewegt, die Kraft
verursacht« und dergleichen, - unsere ganze Wissenschaft steht noch, trotz
aller ihrer Kühle, ihrer Freiheit vom Affekt, unter der Verführung der
Sprache und ist die untergeschobenen Wechselbälge, die »Subjekte« nicht
losgeworden (das Atom ist zum Beispiel ein solcher Wechselbalg,
insgleichen das Kantische »Ding an sich«): was Wunder, wenn die
zurückgetretenen, versteckt glimmenden Affekte Rache und Hass diesen
Glauben für sich ausnützen und im Grunde sogar keinen Glauben inbrünstiger
aufrecht erhalten als den, es stehe dem Starken frei, schwach, und dem
Raubvogel, Lamm zu sein: - damit gewinnen sie ja bei sich das Recht, dem
Raubvogel es zuzurechnen , Raubvogel zu sein . . . Wenn die Unterdrückten,
Niedergetretenen, Vergewaltigten aus der rachsüchtigen List der Ohnmacht
heraus sich zureden: »lasst uns anders sein als die Bösen, nämlich gut!
Und gut ist Jeder, der nicht vergewaltigt, der Niemanden verletzt, der
nicht angreift, der nicht vergilt, der die Rache Gott übergibt, der sich
wie wir im Verborgenen hält, der allem Bösen aus dem Wege geht und wenig
überhaupt vom Leben verlangt, gleich uns den Geduldigen, Demütigen,
Gerechten« - so heißt das, kalt und ohne Voreingenommenheit angehört,
eigentlich nichts weiter als: »wir Schwachen sind nun einmal schwach; es
ist gut, wenn wir nichts tun, wozu wir nicht stark genug sind« -
aber dieser herbe Tatbestand, diese Klugheit niedrigsten Ranges, welche
selbst Insekten haben (die sich wohl tot stellen, um nicht »zu viel« zu
tun, bei großer Gefahr), hat sich Dank jener Falschmünzerei und
Selbstverlogenheit der Ohnmacht in den Prunk der entsagenden stillen
abwartenden Tugend gekleidet, gleich als ob die Schwäche des Schwachen
selbst - das heisst doch sein Wesen, sein Wirken, seine ganze einzige
unvermeidliche, unablösbare Wirklichkeit - eine freiwillige Leistung,
etwas Gewolltes, Gewähltes, eine Tat , ein Verdienst sei. Diese Art
Mensch hat den Glauben an das indifferente wahlfreie »Subjekt« nötig aus
einem Instinkte der Selbsterhaltung, Selbstbejahung heraus, in dem jede
Lüge sich zu heiligen pflegt. Das Subjekt (oder, dass wir populärer reden,
die See1e) ist vielleicht deshalb bis jetzt auf Erden der beste
Glaubenssatz gewesen, weil er der Überzahl der Sterblichen, den Schwachen
und Niedergedrückten jeder Art, jene sublime Selbstbetrügerei ermöglichte,
die Schwäche selbst als Freiheit, ihr So- und So-sein als Verdienst
auszulegen.
14.
- Will Jemand ein wenig in das Geheimnis hinab und hinunter sehn, wie man
auf Erden Ideale fabriziert? Wer hat den Mut dazu? ... Wohlan! Hier ist
der Blick offen in diese dunkle Werkstätte. Warten Sie noch einen
Augenblick, mein Herr Vorwitz und Wagehals: Ihr Auge muss sich erst an
dieses falsche schillernde Licht gewöhnen ... So! Genug! Reden Sie jetzt!
Was geht da unten vor? Sprechen Sie aus, was Sie sehen; Mann der
gefährlichsten Neugierde - jetzt bin i c h der, welcher zuhört.
- »Ich sehe Nichts, ich höre um so mehr. Es ist ein
vorsichtiges tückisches leises Munkeln und Zusammenflüstern aus allen
Ecken und Winkeln. Es scheint mir, dass man lügt; eine zuckrige Milde
klebt an jedem Klange. Die Schwäche soll zum Verdienste umgelogen werden,
es ist kein Zweifel - es steht damit so, wie Sie es sagten. «
- Weiter!
- »und die Ohnmacht, die nicht vergilt, zur »Güte«; die
ängstliche Niedrigkeit zur »Demut«; die Unterwerfung vor Denen, die man
hasst, zum »Gehorsam« (nämlich gegen Einen, von dem sie sagen, er befehle
diese Unterwerfung, sie heißen ihn Gott). Das Unoffensive des Schwachen,
die Feigheit selbst, an der er reich ist, sein An-der-Tür-stehn, sein
unvermeidliches Warten-müssen kommt hier zu guten Namen, als »Geduld«, es
heisst auch wohl die Tugend; das Sich-nicht-rächen-Können heisst
Sich-nicht-rächen-Wollen, vielleicht selbst Verzeihung (»denn sie wissen
nicht, was sie tun - wir allein wissen es, was sie tun!«). Auch redet man
von der »Liebe zu seinen Feinden« - und schwitzt dabei. «
- Weiter!
- »Sie sind elend, es ist kein Zweifel, alle diese
Munkler und Winkel-Falschmünzer, ob sie schon warm bei einander hocken -
aber sie sagen mir, ihr Elend sei eine Auswahl und Auszeichnung Gottes,
man prügele die Hunde, die man am liebsten habe; vielleicht sei dies Elend
auch eine Vorbereitung, eine Prüfung, eine Schulung, vielleicht sei es
noch mehr - Etwas, das einst ausgeglichen und mit ungeheuren Zinsen in
Gold, nein! in Glück ausgezahlt werde. Das heißen sie »die Seligkeit. «
- Weiter!
- »Jetzt geben sie mir zu verstehen, dass sie nicht nur
besser seien als die Mächtigen, die Herrn der Erde, deren Speichel sie
lecken müssen (nicht aus Furcht, ganz und gar nicht aus Furcht! sondern
weil es Gott gebietet, alle Obrigkeit zu ehren) - dass sie nicht nur
besser seien, sondern es auch »besser hätten«, jedenfalls einmal besser
haben würden. Aber genug! genug! Ich halte es nicht mehr aus. Schlechte
Luft! Schlechte Luft! Diese Werkstätte, wo man Idea1e fabriziert - mich
dünkt, sie stinkt vor lauter Lügen. «
- Nein! Noch einen Augenblick! Sie sagten noch nichts
von dem Meisterstücke dieser Schwarzkünstler, welche Weiß, Milch und
Unschuld aus jedem Schwarz herstellen: haben Sie nicht bemerkt, was ihre
Vollendung im Raffinement ist, ihr kühnster, feinster, geistreichster,
lügenreichster Artisten-Griff? Geben Sie Acht! Diese Kellertiere voll
Rache und Hass - was machen sie doch gerade aus Rache und Hass? Hörten Sie
je diese Worte? Würden Sie ahnen, wenn Sie nur ihren Worten trauten, dass
Sie unter lauter Menschen des Ressentiment sind? . . .
- »Ich verstehe, ich mache nochmals die Ohren auf (ach!
ach! ach! und die Nase zu). Jetzt höre ich erst, was sie so oft schon
sagten: »Wir Guten - wir sind die Gerechten« - was sie verlangen, das
heißen sie nicht Vergeltung, sondern »den Triumph der Gerechtigkeit«; was
sie hassen, das ist nicht ihr Feind, nein! sie hassen das »Unrecht«, die
»Gottlosigkeit«; was sie glauben und hoffen, ist nicht die Hoffnung auf
Rache, die Trunkenheit der süßen Rache (»süßer als Honig« nannte sie schon
Homer), sondern der Sieg Gottes, des gerechten Gottes über die Gottlosen;
was ihnen zu lieben auf Erden übrig bleibt, sind nicht ihre Brüder im
Hasse, sondern ihre »Brüder in der Liebe«, wie sie sagen, alle Guten und
Gerechten auf der Erde.«
- Und wie nennen sie das, was ihnen als Trost wider alle Leiden des Lebens
dient - ihre Phantasmagorie der vorweggenommenen zukünftigen Seligkeit?
- »Wie? Höre ich recht? Sie heißen das »das jüngste
Gericht«, das Kommen ihres Reichs, des »Reichs Gottes« - einstweilen aber
leben sie »im Glauben«, »in der Liebe«, »in der Hoffnung.«
-. Genug! Genug!
15.
Im Glauben woran? In der Liebe wozu? In der Hoffnung worauf? - Diese
Schwachen - irgendwann einmal nämlich wollen auch sie die Starken sein, es
ist kein Zweifel, irgendwann soll auch ihr »Reich« kommen - »das Reich
Gottes« heißt es schlechtweg bei ihnen, wie gesagt: man ist ja in Allem so
demütig! Schon um d a s zu erleben, hat man nötig, lange zu leben, über
den Tod hinaus, - ja man hat das ewige Leben nötig, damit man sich auch
ewig im »Reiche Gottes« schadlos halten kann für jenes Erden-Leben »im
Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung«. Schadlos wofür? Schadlos wodurch?
. . . Dante hat sich, wie mich dünkt, gröblich vergriffen, als er, mit
einer Schrecken einflößenden Ingenuität, jene Inschrift über das Thor zu
seiner Hölle setzte »auch mich schuf die ewige Liebe«: - über dem Thore
des christlichen Paradieses und seiner »ewigen Seligkeit« würde jedenfalls
mit besserem Rechte die Inschrift stehen dürfen »auch mich schuf der ewige
Hass« - gesetzt, dass eine Wahrheit über dem Thor zu einer Lüge stehen
dürfte! Denn w a s ist die Seligkeit jenes Paradieses? . . . Wir würden es
vielleicht schon erraten; aber besser ist es, dass es uns eine in solchen
Dingen nicht zu unterschätzende Autorität ausdrücklich bezeugt, Thomas von
Aquino, der grosse Lehrer und Heilige. »Beati in regno coelesti«, sagt er
sanft wie ein Lamm, »videbunt poenas damnatorum, u t beati tudo illis
magis complaceat.« Oder will man es in einer stärkeren Tonart hören, etwa
aus dem Munde eines triumphierenden Kirchenvaters, der seinen Christen die
grausamen Wollüste der öffentlichen Schauspiele widerriet - warum doch?
»Der Glaube bietet uns ja viel mehr, - sagt er, de spectac. c. 29 ss. viel
Stärkeres ; Dank der Erlösung stehen uns ja ganz andre Freuden zu
Gebote; an Stelle der Athleten haben wir unsre Märtyrer; wollen wir Blut,
nun, so haben wir das Blut Christi ... Aber was erwartet uns erst am Tage
seiner Wiederkunft, seines Triumphes!« und nun fährt er fort, der
entzückte Visionär: »At enim supersunt alia spectacula, ille ultimus et
perpetuus judicii dies, ille nationibus insperatus, ille derisus, cum
tanta saeculi vetustas et tot ejus nativitates uno igne haurientur. Quae
tunc spectaculi latitudo! Quid admirer! Quid rideam! Ubi gaudeam! Ubi
exultem, spectanstot et tantos reges , qui in coelum recepti nuntiabantur,
cum ipso Jove et ipsis suis testibus in imis tenebris congemescentes! Item
praesides (die Provinzialstatthalter) persecutores dominici nominis
saevioribus quam ipsi flammis saevierunt insultantibus' contra Christianos
liquescentes! Quos praeterea sapientes illos philosophos coram discipulis
suis una conflagrantibus erubescentes, quibus nihil ad deum pertinere
suadebant, quibus animas auf nullas auf non in pristina corpora redituras
affirmabant! Etiam poetäs non ad Rhadamanti nec ad Minois, sed ad
inopinati Christi tribunal palpitantes! Tunc magis tragoedi audiendi,
magis scilicet vocales (besser bei Stimme, noch ärgere Schreier) in sua
propria calamitate; tunc histriones cognoscendi, solutiores multo per
ignem; tunc spectandus auriga in flammea rota totus rubens,3 tunc xystici
contemplandi non in gymnasiis, sed in igne jaculati, nisi quod ne tunc
quidem allos velim vivos,4 ut qui malim ad eos potius conspectum in
satiabi1em conferre, qui in dominum desaevierunt. »Hic est alle, dicam,
fabri auf quaestuariae filius (wie alles Folgende und insbesondere auch
diese aus dem Talmud bekannte Bezeichnung der Mutter Jesu zeigt, meint
Tertullian von hier ab die Juden), sabbati destructor, Samarites et
daemonium habens. Hic est, quem a Juda redemistis, hic est alle arundine
et colaphis diverberatus, sputamentis dedecoratus, felle et aceto potatus.
Hic est, quem clam discentes subripuerunt, ut resurrexisse dicatur vel
hortulanus detraxit, ne lactucae suae frequentia commeantium
laederentur.«s Ut talia spectes, ut t a 1 i b u s e x u 1 t e s , quas
tibi praetor auf consul auf quaestor auf sacerdos de sua liberalitate
praestabit? Et tamen haec jam habemus quodammodo per fidem spiritu
imaginante repraesentata. Ceterum qualia illa sunt, quae nec oculus vidit
nec auris audivit nec in cor hominis ascenderunt? (1. Kor. 2,9.) Credo
circo et utraque cavea (erster und vierter Rang oder, nach Anderen,
komische und tragische Bühne) et omni stadio gratiora. « - Per fidem : so
steht's geschrieben.
16.
Kommen wir zum Schluss. Die beiden entgegen gesetzten Werte »gut und
schlecht«, »gut und böse« haben einen furchtbaren, Jahrtausende langen
Kampf auf Erden gekämpft; und so gewiss auch der zweite Werth seit langem
im Übergewichte ist, so fehlt es doch auch jetzt noch nicht an Stellen, wo
der Kampf unentschieden fortgekämpft wird. Man könnte selbst sagen, dass
er inzwischen immer höher hinauf getragen und eben damit immer tiefer,
immer geistiger geworden sei: so dass es heute vielleicht kein
entscheidenderes Abzeichen der »höheren Natur«, der geistigeren Natur
gibt, als zwiespältig in jenem Sinne und wirklich noch ein Kampfplatz für
jene Gegensätze zu sein. Das Symbol dieses Kampfes, in einer Schrift
geschrieben, die über alle Menschengeschichte hinweg bisher lesbar blieb,
heißt »Rom gegen Judäa, Judäa gegen Rom«: - es gab bisher kein größeres
Ereignis als diesen Kampf, diese Fragestellung, diesen todfeindlichen
Widerspruch. Rom empfand im Juden Etwas wie die Widernatur selbst,
gleichsam sein antipodisches Monstrum; in Rom galt der Jude »des Hasses
gegen das ganze Menschengeschlecht überführt« mit Recht, sofern man ein
Recht hat, das Heil und die Zukunft des Menschengeschlechts an die
unbedingte Herrschaft der aristokratischen Werte, der römischen Werte
anzuknüpfen. Was dagegen die Juden gegen Rom empfunden haben? Man errät
es aus tausend Anzeichen; aber es genügt, sich einmal wieder die
Johanneische Apokalypse zu Gemüte zu führen, jenen wüstesten aller
geschriebenen Ausbrüche, welche die Rache auf dem Gewissen hat.
(Unterschätze man übrigens die tiefe Folgerichtigkeit des christlichen
Instinktes nicht, als er gerade dieses Buch des Hasses mit dem Namen des
Jüngers der Liebe überschrieb, desselben, dem er jenes
verliebt-schwärmerische Evangelium zu eigen gab -: darin steckt ein Stück
Wahrheit, wie viel literarische Falschmünzerei auch zu diesem Zwecke nötig
gewesen sein mag.) Die Römer waren ja die Starken und Vornehmen, wie sie
stärker und vornehmer bisher auf Erden nie da gewesen, selbst niemals
geträumt worden sind; jeder Überrest von ihnen, jede Inschrift entzückt,
gesetzt, dass man errät, was da schreibt. Die Juden umgekehrt waren jenes
priesterliche Volk des Ressentiment par excellence, dem eine
volkstümlich-moralische Genialität sonder Gleichen innewohnte: man
vergleiche nur die verwandt begabten Völker, etwa die Chinesen oder die
Deutschen, mit den Juden, um nachzufühlen, was ersten und was fünften
Ranges ist. Wer von ihnen einstweilen gesiegt hat, Rom oder Judäa? Aber es
ist ja gar kein Zweifel: man erwäge doch, vor wem man sich heute in Rom
selber als vor dem Inbegriff aller höchsten Werte beugt - und nicht nur in
Rom, sondern fast auf der halben Erde, überall wo nur der Mensch zahm
geworden ist oder zahm werden will, vor drei Juden, wie man weiß, und
einer Jüdin (vor Jesus von Nazareth, dem Fischer Petrus, dem Teppichwirker
Paulus und der Mutter des anfangs genannten Jesus, genannt Maria). Dies
ist sehr merkwürdig: Rom ist ohne allen Zweifel unterlegen. Allerdings gab
es in der Renaissance ein glanzvoll-unheimliches Wiederaufwachen des
klassischen Ideals, der vornehmen Wertungsweise aller Dinge: Rom selber
bewegte sich wie ein aufgeweckter Scheintoter unter dem Druck des neuen,
darüber gebauten judaisierten Rom, das den Aspekt einer ökumenischen
Synagoge darbot und »Kirche« hieß: aber sofort triumphierte wieder Judäa,
Dank jener gründlich pöbelhaften (deutschen und englischen)
Ressentiments-Bewegung, welche man die Reformation nennt, hinzugerechnet,
was aus ihr folgen musste, die Wiederherstellung der Kirche, - die
Wiederherstellung auch der alten Grabesruhe des klassischen Rom. In einem
sogar entscheidenderen und tieferen Sinne als damals kam Judäa noch einmal
mit der französischen Revolution zum Siege über das klassische Ideal: die
letzte politische Vornehmheit, die es in Europa gab, die des siebzehnten
und achtzehnten französischen Jahrhunderts brach unter den volkstümlichen
Ressentiments-Instinkten zusammen, - es wurde niemals auf Erden ein
größerer Jubel, eine lärmendere Begeisterung gehört! Zwar geschah mitten
darin das Ungeheuerste, das Unerwartetste: das antike Ideal selbst trat
1eibhaft und mit unerhörter Pracht vor Auge und Gewissen der Menschheit, -
und noch einmal, stärker, einfacher, eindringlicher als je, erscholl,
gegenüber der alten Lügen-Losung des Ressentiment vom Vorrecht der
Meisten, gegenüber dem Willen zur Niederung, zur Erniedrigung, zur
Ausgleichung, zum Abwärts und Abendwärts des Menschen die furchtbare und
entzückende Gegenlosung vom Vorrecht der Wenigsten! Wie ein letzter
Fingerzeig zum andren Wege erschien Napoleon, jener einzelnste und
spätestgeborne Mensch, den es jemals gab, und in ihm das Fleisch gewordne
Problem des vornehmen Ideals an sich man überlege wohl, was es für ein
Problem ist: Napoleon, diese Synthesis von Unmensch und Übermensch ...
17.
- War es damit vorbei? Wurde jener größte aller Ideal-Gegensätze damit für
alle Zeiten ad acta gelegt? Oder nur vertagt, auf lange vertagt? ...
Sollte es nicht irgendwann einmal ein noch viel furchtbareres, viel länger
vorbereitetes Auflodern des alten Brandes geben müssen? Mehr noch: wäre
nicht gerade das aus allen Kräften zu wünschen? selbst zu wollen? selbst
zu fördern? . . . Wer an dieser Stelle. anfängt, gleich meinen Lesern,
nachzudenken, weiter zu denken, der wird schwerlich bald damit zu Ende
kommen, Grund genug für mich, selbst zu Ende zu kommen, vorausgesetzt,
dass es längst zur Genüge klar geworden ist, was ich Will, was ich gerade
mit jener gefährlichen Losung will, welche meinem letzten Buche auf den
Leib geschrieben ist: »Jenseits von Gut und Böse« ... Dies heißt zum
Mindesten nicht »Jenseits von Gut und Schlecht«.
Anmerkung: Ich nehme die Gelegenheit wahr, welche diese Abhandlung
mir gibt, um einen Wunsch öffentlich und förmlich auszudrücken, der von
mir bisher nur in gelegentlichem Gespräche mit Gelehrten geäußert worden
ist: dass nämlich irgend eine philosophische Fakultät sich durch eine
Reihe akademischer Preisausschreiben um die Förderung mora1historischer
Studien verdient machen möge: - vielleicht dient dies Buch dazu, einen
kräftigen Anstoß gerade in solcher Richtung zu geben. In Hinsicht auf eine
Möglichkeit dieser Art sei die nachstehende Frage in Vorschlag gebracht:
sie verdient ebenso sehr die Aufmerksamkeit der Pathologen und Historiker
als die der eigentlichen Philosophie-Gelehrten von Beruf.
»Welche Fingerzeige gibt die Sprachwissenschaft,
insbesondere die etymologische Forschung, für die Entwicklungsgeschichte
der moralischen Begriffe ab?«
- Andrerseits ist es freilich ebenso nötig, die
Teilnahme der Physiologen und Mediziner für diese Probleme (vom Werte der
bisherigen Werthschätzungen) zu gewinnen: wobei es den Fach-Philosophen
überlassen sein mag, auch in diesem einzelnen Falle die Fürsprecher und
Vermittler zu machen, nachdem es ihnen im Ganzen gelungen ist, das
ursprünglich so spröde, so misstrauische Verhältnis zwischen Philosophie,
Physiologie und Medizin in den freundschaftlichsten und fruchtbringendsten
Austausch umzugestalten. In der Tat bedürfen alle Gütertafeln, alle »du
sollst«, von denen die Geschichte oder die ethnologische Forschung weiß,
zunächst der physio1ogischen Beleuchtung und Ausdeutung, eher jedenfalls
noch als der psychologischen; alle insgleichen warten auf eine Kritik von
seiten der medizinischen Wissen schafft. Die Frage: was ist diese oder
jene Gütertafel und »Moral« wert ? will unter die verschiedensten
Perspektiven gestellt sein; man kann namentlich das »wert wozu ?« nicht
fein genug aus einander legen. Etwas zum Beispiel, das ersichtlich Werth
hätte in Hinsicht auf möglichste Dauerfähigkeit einer Rasse (oder auf
Steigerung ihrer Anpassungskräfte an ein bestimmtes Klima oder auf
Erhaltung der größten Zahl), hätte durchaus nicht den gleichen Werth, wenn
es sich etwa darum handelte, einen stärkeren Typus herauszubilden. Das
Wohl der Meisten und das Wohl der Wenigsten sind entgegen gesetzte
Wert-Gesichtspunkte: ansich schon den ersteren für den höherwertigen zu
halten, wollen wir der Naivität englischer Biologen überlassen . . .
A1le Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe des Philosophen
vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der Philosoph das
Problem vom Werte zu lösen hat, dass er die Rangordnung der Werte zu
bestimmen hat.
|