Nachdem ich in meinem Leben über lange Jahre hinweg durch meine
labile Gesundheit eine Fülle von Problemen zu lösen hatte, habe
ich mir folgendes zum Grundsatz gemacht.
Wenn man an einem Tag hart gearbeitet hat und abends erschöpft ist, kann
man mit gutem Gewissen schlafen. Ob die Arbeit erfolgreich war, oder ob
man Fehler gemacht hat, ist nebensächlich. Aus den Fehlern kann man
lernen, und wenn die Arbeit nutzlos war, so braucht einen dies nicht zu
bedrücken. 90% aller Produkte landen bereits nach wenigen Jahren, manchmal
sogar nach wenigen Tagen, auf dem Schrottplatz oder im Papierkorb, aber
trotzdem werden sie gebraucht, um unseren Lebensstandard zu verbessern
oder um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Nehmen wir z. B. eine Zeitung. Die
Zeitung von letzter Woche wirft man weg, aber trotzdem wird man sich
vielleicht heute wieder eine Zeitung kaufen, um Gesprächsstoff zu haben,
um über Preise von Sonderangeboten Bescheid zu wissen. Das, was wir heute
erfahren und tun, kann unser Handeln von morgen bestimmen. Auf dieser Welt
ist nichts statisch.
Nur Probleme, die die eigene Existenz bedrohen, muss man bald lösen. Von
den anderen Problemen ist kaum eines so wichtig, dass man es unbedingt
heute lösen muss.
Es gibt viele Probleme, die mit der Zeit gegenstandslos werden oder von
anderen gelöst werden.
Es gibt nur wenige Probleme, die unlösbar sind. Nur - man darf nicht
gleich aufgeben.
Ich habe als 10-jähriger Junge Schach spielen gelernt. Bevor ich jedoch
die erste Partie Schach gegen meinen Vater gewonnen habe, habe ich 3 Jahre
lang jeden Abend eine Partie Schach gegen meinen Vater gespielt und
verloren. Bei der Lösung schwieriger Probleme darf man nicht erwarten, dass
man in Minuten oder Stunden eine Lösung findet. Man muss die Geduld haben
über Jahre hinweg daran zu arbeiten.
Man muss eine Arbeit anfangen, um behaupten zu können, dass man sie nicht
leisten kann.
Die Kritik anderer ist kein Maßstab für die geleistete Arbeit. Derjenige,
der die Arbeit kritisiert, hat sie ja selbst schließlich nicht getan. Jede
Kritik sollte man nur als Denkanstoß für Verbesserungen auffassen.
Wenn wir uns mit anderen vergleichen, dann werden wir immer Menschen
sehen, die uns in gewissen Leistungen übertreffen. Aber wir werden auch
immer Menschen finden, die weniger leisten können. Wir messen da einen
relativen Wert. Aber ist nicht allein schon die Tatsache faszinierend,
dass wir mit unserem Organismus über mehrere Billionen Zellen
verfügen. Schätzungen gehen von etwa 25 Billionen Zellen aus. Genau
gezählt hat dies wohl niemand. Ein gigantisches biochemisches System. Eine kleine Welt, die uns
allein gehört.
Seinen Appetit sollte man sich grundsätzlich nie verderben lassen. Nur bei
Übergewicht sollte man weniger essen. Schließlich lebt man ja nur, weil
man etwas isst. Jemand, der einen daran hindert zu essen, hindert einen
daran zu leben, und allein von geistiger Speise wird man nicht satt. Man
versetzt sich dadurch, dass man isst. in die Lage seine Probleme zu lösen.
Wenn man hungrig einschläft, schläft man schlecht und ist am nächsten Tag
für den Kampf ums Dasein schlecht gerüstet.
Gerade dann, wenn man krank ist und / oder unter Depressionen leidet, muss man
genügend essen. Wenn man krank ist, steht der Körper vor dem Problem
Abwehrstoffe zu synthetisieren. Diese Aufgabe kann der Körper nur
bewältigen, wenn er ausreichend mit den verschiedensten Stoffen versorgt
wird. Depressionen haben manchmal ihre Ursache in einem Mangel an
bestimmten Mineralien, Fetten, Vitaminen, Enzymen, Hormonen . . . Solche Störungen sind zum Beispiel
der Grund für die regelmäßig nach Schwangerschaften auftretenden
Depressionen. Bei Depressionen sollte man deshalb
in jedem Fall einen Arzt aufsuchen und sich einer gründlichen Untersuchung
unterziehen.
Seien sie vorsichtig im Umgang mit Psychopharmaka! Diese Mittel sind zur Heilung von
Nervenkrankheiten entwickelt worden. Sie führen gelegentlich zur Sucht,
weil sie nur wenige Stunden so wirken, wie man es wünscht und den Rest des
Tages, so wie man es nicht wünscht. Leute, die rauchen, sind meist
nervöser, als diejenigen, die nicht rauchen. Wer Kaffee oder schwarzen Tee
trinkt, putscht sich momentan auf und ist dann doppelt so müde. Leute, die
Schlaftabletten nehmen, können nach kurzer Zeit ohne Schlaftabletten nicht
mehr einschlafen, weil damit nicht die Ursache der Schlaflosigkeit
beseitigt wird. Alkoholiker erkennt man daran, dass diese Menschen
überdurchschnittlich aggressiv sind und ständig dazu neigen sich selbst zu
bemitleiden.
Psychopharmaka sind manchmal nur mangelhaft an körpereigene Substanzen
angepasst (Ausnahmen: Körpereigene Stoffe
wie z. B. Neurotransmitter). Diese Stoffe müssen daher von den
Entgiftungsorganen des Körpers wieder abgebaut werden.
Bei jedem Medikament muss man sehr genau abwägen, ob der Nutzen größer ist als der Schaden.
Jedes Auto würde schließlich auch kaputt gehen, wenn man ständig mit
Vollgas oder angezogener Bremse oder falsch eingestellter Zündung fährt.
Ein alter Ärztespruch lautet: Es gibt nichts Gutes außer man tut es.
Auch pflanzliche Mittel, wie das bei Depressionen empfohlene
Johanniskraut lösen keine Probleme.
Bei körperlichen Schmerzen oder psychischen Schwierigkeiten sind andere
nur selten eine Hilfe. Vor allem körperliche Schmerzen erträgt man an
besten, wenn man selbst nicht von anderen gefordert wird, wenn man die
Geschäftigkeit der anderen an sich vorbeigleiten lassen kann, wenn man z.
B. auf einer Bank in der freien Natur dem Gesang der Vögel oder dem
Plätschern der Uferbrandung zuhören kann. Ich habe es selbst erlebt, dass
ich bei starken Schmerzen zu weinen angefangen habe, wenn jemand in den
Raum kam und fragte, ob ich noch etwas zu essen haben will. Eine völlig
belanglose Frage, die, wie man meinen sollte, einen nicht verletzen kann,
aber allein der Schall der Stimme führte bei den überreizten Nerven zum
Zusammenbruch. Da merkt man, dass man lebt. Trotzdem habe ich es vermieden
Schmerzmittel zu nehmen. Schmerzen zeigen ein Problem an, das einer Lösung
bedarf. Und was wäre diese Welt ohne Probleme.
In der Einsamkeit darf man niemals den Fehler machen, sich auf seine
Schmerzen zu konzentrieren. Wenn man diesen Fehler begeht, wird der Geist
zum Sklaven des Körpers. Die Maßnahmen, die man ergreift. müssen stets
darauf gerichtet sein, entweder die Nerven, die den Schmerz; an das Gehirn
melden, zu beruhigen oder zu überreizen. Ein überreizter Nerv leitet den
Schmerz ebenfalls nicht weiter. Dieses Prinzip mach macht sich u. a. die
Akupunktur zunutze. Auch durch die Kältetherapie können Nerven
vorübergehend beruhigt werden. Schmerzmittel sind bei chronischen
Erkrankungen keine Alternative. Der Körper entwickelt bei längerem
Gebrauch gegen diese Substanzen Antikörper, um sie abbauen zu können.
Diese Mittel wirken dann nur noch in immer stärkerer Konzentration, was
letztendlich zu einer Schädigung des Organismus führt.
Auch bei psychischen (seelischen) Schwierigkeiten sollte man sich
angewöhnen seine Probleme selbst zu lösen, denn nicht immer findet man
eine geduldigen Zuhörer und einen klugen Ratgeber. Psychische Probleme
sind meist nur halb so groß, wenn man sie mit vollem Magen betrachtet.
Aber es ist natürlich auch eine Möglichkeit der Problemlösung ein
Problem im Bekanntenkreis zu verteilen. Wer es einmal probiert hat, wird
erstaunt sein, wie viele brauchbare Ratschläge er bekommt. Wir beurteilen
eine Situation oft nach unserem beschränkten Wissen. Das Wissen einer
Gruppe ist aber immer umfangreicher als unser eigenes Wissen. Und oft
kämpfen andere mit dem gleichen Problem und haben schon Teilerfolge
erzielt.
Wie kommt es nun zu psychischen Schwierigkeiten?
Gefühle entstehen bei der Aufnahme von Informationen durch die Nerven oder
Körperzellen. Ob diese Informationen dann in den Denkprozess mit einbezogen
werden oder nicht, entscheidet das Gehirn unbewusst. Durch Anregung von Gefühlen
wird auch die Stimme jener Zellen, die beim Denkprozess übergangen wurden,
bewusst gemacht. Es entstehen so Gefühle wie z. B Hoffnung, Freude, Angst,
Unsicherheit.
Mitmenschen, die einen Selbstmordversuch unternommen haben, haben
vorher meist zahlreiche Selbstmorddrohungen ausgesprochen. Solche
Drohungen sind oft nicht so gemeint, aber ausgesprochen hören wir sie auch. Je öfter
solche Sätze fallen, desto mehr erscheinen sie als brauchbare Alternative.
Die natürliche Selbsttötungshemmung wird damit mehr und mehr aufgeweicht.
Man sollte daher solche Sätze niemals in Erwägung ziehen oder gar
aussprechen!
Das Leben ist unser wertvollster Besitz! Alles Andere ist ersetzbar.
Oft entstehen psychische. Schwierigkeiten dadurch, dass wir scheinbar vom
Schicksal benachteiligt worden sind.
Dazu eine wahre Begebenheit, die mir zu denken gegeben hat. Mit etwa 28 Jahren
lernte ich beruflich einen Mann in meinem Alter kennen, der mir wie ein
Glückspilz vorkam. Er war glücklich verheiratet, hatte ein gesundes Kind.
Er hatte ein Auto und eine schöne Wohnung. Er war ein Typ, den die Frauen
bewunderten. Als wir dann an einem Samstag allein im Büro waren, eröffnete
er mir, dass er die Parkinsonsche Krankheit hat, ein bis heute unheilbares
Nervenleiden. Wenige Jahre später war er tot. Sein übermäßiger
Alkoholgenuss hat wohl auch zu seinem raschen Ende beigetragen. Ich habe seitdem nie
wieder jemanden um sein Schicksal beneidet.
Zum Thema Nerven fallen
mir gerade noch einige eine kleine,
wahre Geschichten ein:
In meiner beruflichen Anfangszeit war ich
im Rechenzentrum als Operator beschäftigt. Eines Tages, der
Rechenzentrumsleiter Herr Dr. Kassel, war anwesend, ging eine
Vorführung für Kunden total daneben. Der Rechner fiel aus. Darauf von dem
Kunden angesprochen, was das hier für ein Mist ist und ob ihm, dem
Rechenzentrumsleiter, das nicht unangenehm ist, meinte er nur weise
lächelnd (er war über 60): Wissen Sie, das einzige was hier steht, sind
meine Nerven.
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Als ich meiner Tante, sie hatte etliche
Krebsoperationen hinter sich, einmal mein Leid klagte, sagte sie mir:
Das Leben geht weiter, muss ja. Die Welt geht deshalb nicht unter.
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Als ich mir zum Jahreswechsel 1999 /
2000 den Arm gebrochen hatte und nachts im Krankenhaus auf dem Gang auf
und ab lief, fragte mich eine Krankenschwester, ob ich kein
Schmerzmittel haben will. Ich habe ihr damals geantwortet: "Da merkt man,
dass man lebt."
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Wenige Monate vor seinem Tod teilte mir ein an Darmkrebs erkrankter
Bekannter mit, dass er jetzt künstlich ernährt wird. Hat den Vorteil,
dass die Krankenkasse das Essen bezahlt.
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Ich glaube mit dieser Einstellung muss man an das Leben herangehen, das
Beste daraus machen und hoffen, dass einen die Schicksalsschläge nicht zu
hart treffen.
Manchmal schätzen wir unsere Situation als ausweglos ein, obwohl sie
vielleicht gar nicht so ausweglos ist. Dazu zwei wahre Begebenheiten.
In den fünfziger Jahren galt es noch als Schande ein Kind zu bekommen,
bevor man geheiratet hatte und in meinem näheren Umfeld war dies damals
für ein junges Mädchen einer der Anlässe für einen
Selbstmordversuch. Hinzu kamen wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sie wurde
gerettet. Auch ihr Kind hat zum Glück keinen Schaden davon getragen. Ihre
wirtschaftliche Lage besserte sich im Laufe der Jahre. Sie bekam noch zwei
weitere Kinder, wurde mehrfache Großmutter, gelangte in den Besitz einer
Eigentumswohnung war wirtschaftlich und auch gesundheitlich in einer
guten Position. Allerdings musste sie in jüngster Zeit erneut
Schicksalsschläge hinnehmen. Erst starb ihr Mann einige Jahre später ihr
Sohn. Sie verlor ihre Eigentumswohnung . . .
Der bekannte Krebsspezialist Dr. Issels hat in einem Vortrag, den ich
mir anhören durfte, den Fall eines etwa 40 Jahre alten Mannes geschildert.
Er zeigte das Foto eines Mannes, dessen rechter Arm amputiert war und
dessen Krebs in der Größe eines halben Fußballs aus dem unteren Brustraum
herausragte. Der Fall war von anderen Ärzten aufgegeben worden. Die
Methode mit der er geheilt wurde bestand u. a. in einer völligen Änderung
seiner Lebensweise, aber auch in ärztlichen Maßnahmen (Stabilisierung
seines Immunsystems, Hypertermie-Behandlung und Operation). Der Mann
heiratete später eine der Krankengymnastinnen in der Klinik von Dr. Issels.
Solange wir noch kämpfen können, besteht noch Hoffnung.
Wir sollten auch einmal darüber nachdenken, ob wir von unserem Schicksal
wirklich die Erfüllung aller Wünsche erwarten können. Wenn wir glauben,
dass es berechtigte Wünsche sind, wie z. B. Gesundheit, sollten wir uns
fragen, ob wir auch alles in unserer Macht stehende getan haben, was wir
zur Erfüllung dieser Wünsche beitragen können. "Das Glück hilft nur dem
Tüchtigen" heißt ein Sprichwort und von Abraham Lincoln stammt der Satz:
"So du eine hilfreiche Hand suchst, so suche sie am Ende deines rechten
Ärmels".
Sicher - durch eine Krankheit / Armut sind wir in unserer Freiheit eingeschränkt.
Aber diesen Gesichtspunkt sollten wir nicht überbewerten. Die Freiheit der
anderen, in Diskotheken ihre Abende verbringen zu können, bringt es auch
mit sich, dass diese Menschen sinnlos ihre Zeit vergeuden.
Niemand ist so frei, dass er nicht ab und zu gegen seinen Willen (gegen
seine Überzeugung) handeln muss.
Das Leben ist unser einziger Besitz, mit dem wir diese Welt in gewissen
Grenzen nach unseren Wünschen gestalten können. Über alles andere
verfügen wir nur mehr oder weniger. Wenn uns das nicht immer
so gelingt, wie wir uns das vorstellen, sollten wir nach anderen Wegen
suchen. Ob wir das Leben nach unserem Tod ein zweites Mal geschenkt
bekommen, weiß niemand mit Sicherheit zu sagen. Hierauf seine Hoffnung zu
gründen, verleitet einen nur zur Untätigkeit.
Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt einen im Alter vielleicht
mehr, als wenn man noch jung ist. Wenn man jung ist, hat man tausend
Wünsche und ist durch mancherlei Arbeiten ständig beschäftigt. Im Alter
kommt man sich manchmal überflüssig vor. Man denkt sich: Jeder ist
ersetzbar. Aber trotzdem wenn keiner da wäre, wäre diese Welt tot. Jeder
hat folglich seinen Platz in dieser Welt. Seine Aufgabe ist es die
Probleme, die sich ihm stellen, nach besten Kräften zu lösen. Wir haben
die Freiheit unserem Leben einen Sinn zu geben.
Viele glauben, dass sie durch die Religion einen Sinn im Leben finden. Doch
wenn man genau hinsieht, findet man in den Religionen nur
Verhaltensmaßregeln. Die Religionen vermitteln uns nur wenige Aufgaben (z.
B. die Verbreitung der Religion, die Anbetung eines imaginären Wesens).
Manche psychische Probleme in unserem Leben entstehen durch den Verlust
eines Menschen. Sei es, dass er durch den Tod aus dem Leben geschieden ist,
oder dass er sich anderen zugewandt hat. Es fällt uns schwer, solche
Hiobsbotschaften mit der Gelassenheit des Hiob zu beantworten, der in Hiob
1:21 sagt: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des
Herrn sei gelobt." Aber vielleicht ist der Verlust, den man erlitten hat,
geringer, wenn man sich bewusst wird, dass man hier ein Menschenleben zu
besitzen glaubte, das einem nie wirklich gehört hat.