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Die Bibel fiel nicht vom
Himmel Bei unserem letzten
Bistrogottesdienst im Gemeindesaal drehte sich alles um das Buch der
Bücher - die Bibel. Unter anderem waren Besucher aufgefordert, ihre
Meinung zu diesem Buch zum Besten zu geben. Sicher, meistens sind
unsere Gottesdienste mit so genannten kirchlichen Insidern besetzt.
Entsprechend fiel auch das Ergebnis aus. Trotzdem hat es uns überrascht,
denn auch Kritisches wurde vermerkt: Wie gehen wir denn jetzt mit der Bibel um? Ist sie vom Himmel gefallen? Bei aller Größe und Stärke, die Bibel ist ein durchaus menschliches Dokument. Irrtümer und Widersprüche stehen neben Geschichtsklitterungen und Bosheiten. Selbst wenn wir glauben, dass Gott selbst in der Geschichte Israels und in der Person Jesu gesprochen hat, müssen wir auch feststellen: Die Bibel ist kein vom Himmel gefallenes Buch, vieles wurde von Menschen auch missverstanden und fehlinterpretiert. Und Geschichtsschreibung, Briefe, Gebete, Gesetze und Mythen stehen oft direkt neben der Ankündigung großen Unheils; wir finden erotische Lieder, Rachepsalmen, Namensregister, Bekenntnisse, Träume, Predigten, Gleichnisse und Briefe; und das alles in 66 Büchern; in einem Zeitraum von knapp 2000 Jahren entstanden. Da müssen wir uns schon fragen: Ist die Bibel Wort Gottes? Und wie ist das alles zu verstehen? An einem Bild will ich es deutlich machen: Drei Menschen diskutieren über die Liebe. Der eine hat gerade ein philosophischtheologisches Werk darüber geschrieben. Große Gedankensysteme baut er darauf auf und er kommt zu dem Schluss, dass die Liebe das Prinzip ist, das alles zusammen hält. Der zweite hat gerade ein neueres Buch über Hirnforschung gelesen und beweist jetzt, inwiefern das alles, was der erste für Liebe hält, eigentlich nur chemische Prozesse in uns sind. Der dritte hingegen ist selbst verliebt. Er steckt sozusagen mittendrin. Was er formuliert, klingt in den Ohren der beiden anderen nicht sehr seriös. Und vielleicht ist es das auch gar nicht. Er redet von Bauchflattern und Sternen und widerspricht sich laufend. Aber doch ist es so, dass der wirklich Verliebte der ist, der mit seiner ganzen Stammelei wesentlicher von der Liebe zu reden weiß als der Philosoph und der Hirnforscher. Sicher, die Form in der er seine Erfahrung äußert, ist ganz und gar unzulänglich. Aber das, was ihn überwältigt hat, die existenzielle Erfahrung der Liebe, die ist echt, die ist tief und sehr real. Genau dies ist das Geheimnis der Schreiber der biblischen Bücher. Sie sind dem lebendigen Gott begegnet. Was sie in ihrer Begegnung erfahren haben, das haben sie in ihrer Geschichte, in ihrer Vorstellungswelt und in ihrem Kulturraum niedergeschrieben. Die Form ist ganz und gar menschlich, der Inhalt aber ist vom Geist Gottes geprägt. Die dahinter stehenden Erfahrungen sind genauso echt, tief und real. Das heißt: Das Wahre an der Bibel ist nicht das, was Menschen in sie hinein geschrieben haben, sondern die Erfahrungen, die dahinter stehen. Den heutigen logischen, historischen oder naturwissenschaftlichen Wahrheitskriterien hält nicht alles stand. Doch diese Menschen haben Erfahrungen mit Gott gemacht, und wer diesen Erfahrungen nachspürt und sich auf sie einlässt, macht selber Erfahrungen mit Gott. Insofern ist die Bibel nicht vom Himmel gefallen. Insofern ist die Bibel wahr. Karl Hufnagel Sehr geehrter Herr Pfarrer Hufnagel, ihren Aufsatz "Die Bibel fiel nicht vom Himmel" habe ich gelesen. Insbesondere jene Sätze, wo Sie schreiben: "Genau das ist das Geheimnis der Schreiber der biblischen Bücher. Sie sind dem lebendigen Gott begegnet. Was sie in ihrer Begegnung erfahren haben, das haben sie in ihrer Geschichte, in ihrer Vorstellungswelt und ihrem Kulturraum niedergeschrieben. Die Form ist ganz und gar menschlich, der Inhalt aber ist vom Geist Gottes geprägt. Die dahinter stehenden Erfahrungen sind genauso echt, tief und real. Das heißt: Das Wahre an der Bibel ist nicht das, was Menschen in sie hineingeschrieben haben, sondern die Erfahrungen, die dahinter stehen. Den heutigen logischen, historischen oder naturwissenschaftlichen Wahrheitskriterien hält nicht alles stand." Es mag durchaus sein, dass dieses Netz der naturwissenschaftlichen Wahrheitskriterien nicht dicht genug geknüpft ist. Aber wer die eigene Erfahrung zum absoluten Maßstab macht, der macht oft das Symptom zur Ursache. Beispiele dafür finden sich auch in der Bibel.
In der Antike hielt man das Herz oder die Nieren für jenen Teil des Körpers, der die Empfindungen und damit die Gesinnung eines Menschen repräsentiert. Heute wissen wir, dass das Herz und die Nieren durch Ausschüttung von Hormonen angeregt werden. Die Ausschüttung dieser Hormone (u. a. Adrenalin) wiederum wird durch Nervenzentren im Gehirn gesteuert. Mit freundlichen Grüßen Dietrich Spreter von Kreudenstein
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