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Kritik zur Taufe Jesu im Jesus-Buch von Benedikt XVI Textmarken: Die Stammbäume Jesu, Die Rolle Johannes des Täufers, Die Stimme Gottes / Die Stimme des Himmels, Ratzinger und seine Furcht vor der historisch kritischen Methode Eisenach, den 29. Mai 2007 Sehr geehrter Herr Prof. Ratzinger! Wenn die historisch kritische Methode unverzichtbar ist, so standen die
Evangelisten bei Ihrer Interpretation der Ereignisse einerseits unter
dem Einfluss des damals vorherrschenden Weltbilds durch das die
Zeitzeugen im Wissen um die Grundlagen des Alten Testaments geprägt wurden
(Genesis, Hiob (Ijob), . . .), andererseits unter dem Einfluss
der vermuteten Inspiration Gottes, soweit es sich nicht um
propagandistische Äußerungen handelt. Aber die Abgesandten aus Jerusalem legen ihm nun zur Last, dass er ja Leute tauft, obwohl er weder ein Prophet, noch ein Messias, noch eine Wiedergeburt Elijas ist. Mit dem Taufritus war eine Sündenvergebung verbunden. Johannes betrieb hier ein Geschäft, das Priestern vorbehalten war. Johannes kann nun nicht leugnen, dass er die Leute am Jordan tauft. Er versucht nun seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem er seine Taufe entwertet. Er antwortet: "Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren" (Johannes 1,26-27). Johannes der Täufer weiß nun, dass er unter Beobachtung des Hohen Rats steht. Er muss sich etwas einfallen lassen. Die Abgesandten aus Jerusalem suchen jemand, dem sie etwas anhängen können. Im Moment ist er selbst derjenige. Am nächsten Tag sieht er nun Jesus, jemand, den er mal getauft hat, der aber nicht zu seinen Jünger gehört, sondern nun als Wanderprediger umherzieht. Er behauptet nun, dass seine eigene Taufe ja nur dazu dient herauszufinden, wer der Messias ist. "...ich bin gekommen", sagt Johannes der Täufer, "und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm (dem Messias) bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes (nach anderen Textzeugen "der Erwählte Gottes", lt. Anmerkung der Einheitsübersetzung) (Johannes 1, 31-34). Johannes der Täufer müsste nun eigentlich allen
seinen Jüngern empfehlen Jünger Jesu zu werden und vor allem er selbst
müsste zu einem Jünger Jesu werden, denn seine Mission ist damit beendet.
Davon ist aber im Johannesevangelium nicht die Rede. Das
Johannesevangelium berichtet: Das Lamm Gottes - Johannes der Täufer macht hier eine doppeldeutige Aussage. Dazu passt auch Ihre Anmerkung, Herr Prof. Ratzinger, über das hier verwendete Wort talia, das auch Knabe oder Knecht (Gottesknecht) bedeuten kann. Es könnte aber auch ein Hinweis auf das Opferlamm sein, das Lamm, das nun geschlachtet wird. Die beiden Jünger des Johannes glauben wohl, dass Johannes der Täufer mit diesem Lamm das Lamm meint, das die Sünden der Welt hinweg nimmt, also den Messias, wie er dies am Tag vorher gesagt hat. Wenn Johannes der Täufer dies gemeint hätte, müsste er aber ein Jünger Jesu werden. Er wurde jedoch nie ein Jünger Jesu! Auch scheinen dies die beiden einzigen Jünger des Johannes zu sein, die
Jesus nachgefolgt sind und die damit lt. Johannes zu seinen ersten Jüngern
werden, denn Matthäus berichtet: Gemäß dem Johannesevangelium taufen Johannes der Täufer
und Jesus zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten. Hier ist der biblische Bericht widersprüchlich, sowohl was die Berufung der ersten Jünger betrifft, als auch was über den Zeitpunkt der Verhaftung Johannes des Täufers und das erste öffentliche Auftreten von Jesus ausgesagt wird. Nach Matthäus 11,2-3 weiß Johannes der Täufer nichts davon, dass er Jesus als den Gottessohn, bzw. den Auserwählten, den Messias bezeichnet hat (Johannes 1, 31-34). Gemäß dem Matthäus-Evangelium hört also nur Jesus bei seiner Taufe die Stimme des Herrn (zur Stimme des Herrn siehe meine Erklärung weiter unten). Auch bei dem Damaskus-Erlebnis des Paulus hört ja nur Paulus die Stimme des Herrn. Aus meiner Sicht ist der Bericht über die Berufung der ersten Jünger Jesu im Johannesevangelium glaubwürdiger als der Bericht in den anderen Evangelien, denn das Johannesevangelium liefert eine plausible Begründung, warum die beiden Jünger des Johannes in ihrer fast kindlich anmutenden Naivität Jesus gefolgt sind, der selbst überrascht ist und wissen will, warum ihm die Beiden folgen. Auch dass Jesus und Johannes der Täufer als Konkurrenten auftreten - dies wird zwar in Johannes 3,22-36 durch eine Erklärung gemildert - erscheint aber angesichts der Tatsache, dass Johannes der Täufer nie ein Jünger Jesu wurde, glaubwürdig. Für mich zählt der Bericht des Johannes zu den ursprünglichsten Schichten der Überlieferung. In den anderen Evangelien erscheint die Berufung der Jünger als Wunder. Jesus ruft und schon hat er ein paar Jünger. Nach dem Markus-Evangelium und dem Matthäus-Evangelium
tritt Jesus erst öffentlich in Erscheinung, als Johannes verhaftet wird.
Die Berufung der ersten Jünger spielt sich hier so ab: Lukas lässt vor der Berufung der Jünger noch das Wunder
vom reichen Fischfang geschehen. Dadurch beeindruckt folgen die ersten
Jünger Jesus. (Lukas 5,1-11) Die Stimme Gottes ist die Stimme des Himmels, die
vom Priester gedeutet wurde. Siehe auch Aus dieser Glaubenssicht sahen auch der Evangelist bzw. seine Gewährsleute das Taufgeschehen. Wenn es dort also heißt „der Himmel öffnete sich“, dann heißt dies für das beobachtete Geschehen, es regnete, denn nach der weltanschaulichen Vorstellung des Evangelisten war über dem Himmelszelt Wasser (Siehe Genesis). Das war ein Segen für das Land und infolgedessen auch für Jesus. Wenn es dort heißt der Himmel riss auf, dann heißt dies, es blitzte, denn in diesem Fall wurde das Licht Gottes sichtbar durch einen Riss in der Wolkenmasse, durch einen Riss im Himmelsgewölbe. Und wenn es dort heißt „Dies ist mein geliebter Sohn“ dann ist dies eine Interpretation des Donners, eine Glaubensaussage. Deutlicher als bei der Taufe wird dieser
Zusammenhang vom Evangelisten bei der Verklärung dargestellt, wo auf die
heranziehende (Gewitter)Wolke hingewiesen wird. Die beiden Personen,
denen die Jünger und Jesus begegnet sind könnten Personen sein, die
ebenfalls bei dem Unwetter unterwegs waren, denn wer wusste schon wie
Moses und Elija aussahen. Erinnert sei hierzu an die Geschichte, wo Jesus
den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus begegnet. Mit besten Grüßen aus der Wartburgstadt Eisenach Über die Apostolische Nuntiatur in Berlin kam aus Rom, wie zu erwarten, nur eine Standardantwort, die den Eingang des Briefes bestätigte. Siehe unten. Ratzinger ist klar, dass die Bibel Menschenwort ist, aber als Kirchenfürst, kann und will er dies nicht akzeptieren und so versucht er es, wie Generationen vor ihm, mit einer entsprechenden Interpretation. Zitat aus dem Vorwort von Ratzingers Jesus-Buch.: Durch die moderne Exegese wurde sichtbar, wie sich die Schriftwerdung der in der Bibel überlieferten Worte in immer neuen "Relectures" zuträgt. Die alten Texte werden in neuer Situation neu aufgenommen, neu verstanden, neu gelesen. Im Neulesen, Fortlesen, stillen Korrekturen, Vertiefungen und Ausweitungen trägt sich die Schriftwerdung als ein Prozess des Wortes zu, das allmählich seine inneren Potentialitäten entfaltet, die irgendwie wie Samen bereitlagen, aber erst in der Herausforderung neuer Situationen, in neuen Erfahrnissen und Erleidnissen sich öffnen. Ende des Zitats. Ich weiß nicht, ob Sie Herrmann Hesses Buch "Das Glasperlenspiel" kennen. Was hier gemacht wird ist eine Art Glasperlenspiel. Man hat einen antiken Text, der klare Bezüge zum antiken Weltbild enthält, und hat nun die Aufgabe daraus eine "Heilige Schrift" für die heutige Zeit zu machen und den Bezug zum antiken Weltbild zu verschleiern. Dabei geht es nicht um Wahrheit, sondern um Rechtfertigung. Man rechtfertigt die unterschiedlichen Sichtweisen, die die katholische Kirche im Laufe ihrer Geschichte propagiert hat und grenzt den Blickwinkel gleichzeitig auf die aktuelle Interpretation des kirchlichen Lehramts ein. Die historisch kritische Methode lehnt Ratzinger ab, denn sie versucht den Bibeltext im Zusammenhang mit dem antiken Weltbild zu betrachten. Ihr Ziel ist es zu ergründen, was der jeweilige Autor der Texte sich dabei gedacht hat, und zwischen historischer Wahrheit und Legende zu trennen. Ratzinger befürchtet zu Recht, dass dann das Bibelwort als Menschenwort erkannt wird. In verklausulierter Form kommt diese Angst in einem Geleitwort zu einem Dokument der päpstlichen Bibelkommission zum Ausdruck. Siehe die fett markierten Sätze. Päpstliche Bibelkommission Die Interpretation der Bibel in der Kirche Geleitwort zum Dokument der Bibelkommission Das Studium der Bibel ist gleichsam die Seele der Theologie, so sagt das Zweite Vatikanum im Anschluß an ein Wort von Papst Leo XIII. (Dei Verbum, 24). Dieses Studium ist nie abgeschlossen; jede Zeit wird auf ihre Weise neu nach dem Verstehen der heiligen Bücher suchen müssen. In der Geschichte der Auslegung hat das Entstehen der historisch-kritischen Methode eine neue Epoche eröffnet. Mit ihr haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, das biblische Wort in seiner Ursprünglichkeit zu verstehen. Wie alles Menschliche so birgt auch diese Methode mit ihren positiven Möglichkeiten Gefährdungen in sich: Die Suche nach dem Ursprünglichen kann dazu führen, daß das Wort ganz in die Vergangenheit zurückgestellt und nicht mehr in seiner Gegenwärtigkeit vernommen wird. Sie kann dazu führen, daß nur noch die menschliche Dimension des Wortes als real erscheint, während der eigentliche Autor, Gott, sich dem Zugriff einer Methode entzieht, die eben zum Verstehen der menschlichen Dinge erarbeitet wurde. Die Anwendung einer "profanen" Methode auf die Bibel mußte Auseinandersetzungen herausfordern. Alles, was dazu hilft, Wahrheit besser zu erkennen und eigene Vorstellungen in Zucht zu nehmen, ist hilfreich und wertvoll für die Theologie. In diesem Sinne mußte die Methode Eingang in ihre Arbeit finden. Alles, was unseren Horizont einschränkt und uns hindert, über das bloß Menschliche hinauszuschauen und hinauszuhören, muß aufgebrochen werden. So hat das Aufkommen der historisch-kritischen Methode zugleich ein Ringen um ihre Tragweite und um ihre rechte Gestaltung in Bewegung gesetzt, das noch keineswegs abgeschlossen ist. In diesem Ringen hat das Lehramt der katholischen Kirche mehrmals mit gewichtigen Dokumenten Stellung bezogen. Zunächst hat Papst Leo XIII. am 18. November 1893 mit der Enzyklika Providentissimus Deus einige Markierungen in die Landkarte der Exegese eingezeichnet. Wenn sich Leo XIII. in der Zeit eines äußerst selbstsicheren und geradezu dogmatisch auftretenden Liberalismus überwiegend kritisch geäußert hatte, ohne das Positive der neuen Möglichkeiten auszuschließen, so konnte fünfzig Jahre später aufgrund der fruchtbaren Arbeit großer katholischer Exegeten Papst Pius XII. in seinem Schreiben Divino afflante Spiritu vom 30. September 1943 vor allem positiv ermutigen, die modernen Methoden für das Verstehen der Bibel fruchtbar zu machen. Die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung, Dei Verbum, vom 18. November 1965 griff dieses alles auf; sie hat uns eine Synthese zwischen den bleibenden Einsichten der Vätertheologie und den neuen methodischen Erkenntnissen der Moderne geschenkt, die maßgebend bleibt. Inzwischen hat sich das methodische Spektrum exegetischer Arbeit in einer Weise ausgeweitet, wie es vor dreißig Jahren noch nicht abzusehen war. Neue Methoden und neue Zugänge bieten sich an, vom Strukturalismus bis hin zur materialistischen, zur psychoanalytischen, zur liberationistischen Exegese. Andererseits sind auch neue Versuche im Gang, die Methoden der Väterexegese wiederzugewinnen und erneuerte Formen geistlicher Auslegung der Heiligen Schrift zu erschließen. So hielt es die Päpstliche Bibelkommission für ihre Pflicht, hundert Jahre nach Providentissimus Deus und fünfzig Jahre nach Divino afflante Spiritu eine Standortbestimmung katholischer Exegese in dieser gegenwärtigen Situation zu suchen. Die Päpstliche Bibelkommission ist nach ihrer im Anschluß an das Zweite Vatikanum erfolgten Neugestaltung kein Organ des Lehramts, sondern eine Kommission aus Gelehrten, die in ihrer zugleich wissenschaftlichen und kirchlichen Verantwortung als gläubige Exegeten zu wesentlichen Problemen der Schriftauslegung Stellung nehmen und sich dabei vom Vertrauen des Lehramts getragen wissen. Auf diese Weise ist das hier vorliegende Dokument entstanden. Es gibt einen fundierten Überblick über das Panorama gegenwärtiger Methoden und bietet so dem Fragenden Orientierung über Möglichkeiten und Grenzen dieser Wege. Dies alles voraussetzend stellt sich der Text dann der Frage danach, wie denn der Sinn der Heiligen Schrift erkannt werden könne, dieser Sinn, in dem Menschenwort und Gotteswort, die Einmaligkeit historischen Geschehens und das Immerwährende des ewigen Wortes ineinandergreifen, das jeder Zeit gleichzeitig ist. Das biblische Wort kommt aus einer realen Vergangenheit, aber nicht nur aus Vergangenheit, sondern zugleich aus der Ewigkeit Gottes. Es führt uns in die Ewigkeit Gottes hinein, aber wieder auf dem Weg über die Zeit, zu der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören. Ich glaube, daß das Dokument für die große Frage nach dem rechten Weg zum Verstehen der Heiligen Schrift wirklich hilfreich ist und Weiterführendes sagt. Es greift die Linie der Enzykliken von 1893 und 1943 auf und führt sie in einer fruchtbaren Weise weiter. Den Mitgliedern der Bibelkommission möchte ich für das geduldige und oft mühsame Ringen danken, in dem allmählich dieser Text gewachsen ist. Ich wünsche dem Dokument eine weite Verbreitung, damit es ein wirksamer Beitrag werde auf der Suche nach einer tieferen Aneignung des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift. Rom, am Fest des heiligen Evangelisten Matthäus 1993 Joseph Kardinal Ratzinger
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