Das abenteuerliche Leben des Hieronymus


Sophronius Eusebius Hieronymus (griechisch: heiliger Name) wurde etwa 342 (andere Quellen nennen das Jahr 347) in Stridon, dem heutigen Sdrin, in Kroatien geboren. Seine Eltern waren der Überlieferung nach christlich, ließen ihn jedoch nicht taufen.

Er studierte in Mailand und Rom, stürzte sich seinem Temperament entsprechend ins Leben der Weltstadt, fühlte sich mehr zu Cicero und Platon hingezogen als zum Christentum, bis ihm nach der Legende im Traum ein Engel die Bücher aus der Hand nahm und ihn vor den himmlischen Richter brachte. Um in das lukrative Geschäft der Kirche einsteigen zu können, muss man schließlich eine Glaubenserfahrung haben. 366 wurde er getauft.

Dies ist nicht die einzige Legende, die sich um diesen "Heiligen" rankt. Hieronymus setzte seine Studien in Trier fort, wo er das Klosterleben kennen lernte, dann in Aquileia (Norditalien), wo er sich 373 dem asketischen Bund "Chor der Seligen" anschloss. Eine Wallfahrt ins Heilige Land führte ihn für fünf Jahre zu Einsiedlern in die Wüste Chalkis bei Aleppo, dem heutigen Halab in Syrien. Dort soll sich jene Löwenlegende ereignet haben (siehe weiter unten, in Darstellungen des Mittelalters ist Hieronymus stets mit einem Löwen abgebildet.)

Hieronymus verließ die Mönchsgemeinschaft aufgrund interner Streitigkeiten und kam 375 nach Antiochien - dem heutigen Antakya - wo er die Heimreise krankheitshalber abbrechen musste, griechisch und hebräisch erlernte und Schüler bei Apollinaris von Laodicea wurde; 379 wurde er zum Priester geweiht. Zusammen mit dem griechischen Kirchenlehrer Gregor von Nazianz, dem Jüngeren verbrachte er drei Jahre in Konstantinopel. 382 kehrte er nach Rom zurück und wurde Sekretär des römischen Bischofs Damasus I, dem Mörder Damasus (siehe Deschner Kriminalgeschichte des Christentums Band 2). Seine Weihe zum Bischof wird in den Legenden des 15. Jahrhunderts als Kardinalswürde berichtet. Damasus beauftragte Hieronymus, der sieben Sprachen beherrschte, mit der Übersetzung der  überlieferten Schriften, ins Lateinische. So entsteht die Vulgata, die eine der Grundlagen späterer Bibelübersetzungen ist. Die Vulgata, ist sozusagen die Erstausgabe der Bibel. Es gab zwar vor der Vulgata bereits eine Latina, aber die fand wenig Anerkennung.

Nach dem Tod seines Gönners Damasus begann auch sein Stern in Rom zu sinken. Er hatte sich wohl Hoffnungen gemacht als Nachfolger nominiert zu werden. Zumindest bezeugt er selber, daß er nach dem Urteil fast aller für die höchste Priesterwürde bestimmt schien. «Ich wurde heilig genannt, demütig, beredt.»

Aber seine Frauengeschichten und seine Kritik am Klerus wurden ihm zum Verhängnis. 

Seine innigen Beziehungen zu diversen Damen des römischen Hochadels erregten den Klerus. Auch machte ihm der Tod eines jungen Mädchens, den das erzürnte Volk wohl kaum zu Unrecht durch das «detestabile genus monachorum» verursacht sah, unmöglich in Rom. Und so floh er 385, gefolgt von seinen Freundinnen, über Ägypten nach Bethlehem, unter ihnen Marcella sowie die adlige römische Witwe Paula und deren Tochter Julia. 

Dort gründete er zusammen mit Paula vier Klöster, drei Nonnenklöster und eines für Mönche, dessen Leitung er selbst übernahm.

Hieronymus beteiligte sich an den Kontroversen mit dem Mönch und Theologen Tyrannius Rufinus, mit Augustinus (19 seiner Briefe an Augustinus sind erhalten) und mit Jovinian und Vigilantius, mit den Anhängern des Pelagianismus; deshalb musste er sich zwei Jahre lang versteckt halten. Kurz nach seiner Rückkehr nach Bethlehem starb er am 30. September 420 (andere Quellen nennen das Jahr 419).

Im 13. Jahrhundert gelangten die Gebeine des Hieronymus als Reliquie nach Rom, wie so viele andere Reliquien.

Hieronymus hat durch seine Schrift "De viris illustribus" (deutsch: "Über die hervorragenden Männer") wesentlich zur Verbreitung christlicher Legenden beigetragen.  

Eine der bekanntesten Legenden, die sich auf ihn selbst beziehen,  ist die Löwenlegende, die erzählt, wie ein hinkender Löwe die Mönche in die Flucht jagte, Hieronymus aber ihm einen Dorn aus der Tatze zog und die Wunde pflegte, worauf der geheilte Löwe als Haustier blieb und täglich den Esel auf die Weide begleitete, der das Holz für die Möche herbei schleppte. Dabei schlief er einmal ein, worauf eine vorüber ziehende Karawane den Esel raubte. Beschuldigt, den Esel gefressen zu haben, musste nun der Löwe das Holz herbei tragen, bis er eines Tages die zurückkehrende Karawane mit dem Esel als Leittier erblickte. Mit donnerndem Schweifschlagen und Brüllen brachte er den Esel zu Hieronymus zurück, der nahm aber die Karawanenleute freundlich auf und erhielt reichen Lohn für das Kloster.

In einer anderen Geschichte berichtet er von einer zeitgenössischen Christin, die, angeblich zu Unrecht des Ehebruchs geziehen, von einem bösen, versteckt als Heide gezeichneten Richter, zum Tod verurteilt und, nach grausigen, mit allem Raffinement erfundenen Folterqualen, von zwei Scharfrichtern siebenmal vergeblich mit dem Schwert getroffen wird. 

Er berichtet weiter von einem Mönch, der, in einer Grube liegend, nie mehr als täglich fünf Feigen isst, von einem anderen Mönch, der seit 30 Jahren bloß von etwas Brot und schmutzigem Wasser lebt. Er erzählt von dem von dem sagenhaften Paulus aus der Thebais, an dessen Existenz er selber zweifelt, ihn aber durch haarsträubende Histörchen in der Welt berühmt macht, indem er u. a. behauptet, ein Rabe habe jenem Mönch 6o Jahre lang täglich ein halbes Brot gebracht. Gleichzeitig verhöhnt er aber die unverschämten Lügen anderer über jenen Paulus aus der Thebais.

Lt. Kühner ist Hieronymus einer der besten Romanciers seiner Zeit. (vgl. Deschner Kriminalgeschichte des Christentums).

Hieronymus lebte in einer Zeit als die Christen bemüht sind sich vom Judentum abzugrenzen. Er selbst beteiligt sich wesentlich durch Hetzschriften an diesem Treiben. 

Hieronymus' Antijudaismus steckt vor allem in seiner Bibelerklärung, besonders im Kommentar zu Jesaja, wo etwa die Polemik und der grelle Hohn gegen die sinnlichen Zukunftshoffnungen der Juden das ganze Buch durchziehn - nebenbei: auch gegen die christlichen Chiliasten («halbe Juden» für ihn, «die erbärmlichsten der Menschen»), die ein tausendjähriges Reich Christi schon auf Erden, schon hier Gerechtigkeit und Glück erwarteten, ein weit verbreiteter, auch von Irenäus, Tertullian, Victorinus von Poetavium und Laktanz geteilter Glaube der alten Christenheit. Die Juden aber haben nach Hieronymus die «Heilige Schrift» wieder einmal gar nicht verstanden. Er macht sie lächerlich, verhöhnt sie, erklärt ihre ganze Eschatologie als Betrug. Er preist beredt den Triumph der Christenheit über die Juden, die freilich noch immer in ihren Synagogen dreimal täglich die Christen unter dem Namen der Nazarener verfluchen dürfen. Er geißelt ihren Hochmut, besonders ihre Geldgier, und will, so groß ist sein Hass, nicht einmal, wie einst doch selbst Paulus, von Israels Bekehrung am Ende der Zeiten wissen.`

Sogar noch Hieronymus' Briefe an Augustin, selber ein entschiedener Judenfeind, bekunden seine scharfe Aversion. Er sagt den Juden «Unkenntnis» nach, «Bosheit». Er nennt sie «Gotteslästerer».

Er belehrt Augustin: «Bei Jesus Christus gilt weder die Beschneidung etwas noch die Vorhaut ... » Oder er behauptet: «Die jüdischen Gebräuche bergen für die Christen Verderben und Tod in sich. Wer sie beachtet, mag er Juden- oder Heidenchrist sein, ist ein dem Teufel verfallener Bösewicht.» Gehe es doch hier um Dinge, aus «den Synagogen des Satans ». Auch das Gebet der Juden, nur Untermenschen für ihn, nennt er Eselsgeschrei.

Noch deutlicher schlägt die gewöhnliche Tonart dieses Menschen durch, wenn er «Ketzer» als «zweibeinige, distelfressende Esel» diffamiert; wenn er andersgläubige Christen mit «Schweinen» vergleicht und «Schlachtvieh für die Hölle», wenn er sie überhaupt nicht Christen heißt, sondern «Teufel». «Omnes haeretici christiani non sunt. Si Christi non sunt, diaboli sunt.>> (vgl. Deschner Kriminalgeschichte des Christentums)

Hieronymus beteiligt sich aus Opportunismus auch verbal an der Jagd gegen die Anhänger des Origines, nachdem er ursprünglich zur Verbreitung seiner Lehren im lateinischen Westen beigetragen hat. Er hat mehrere seiner Werke begeistert übersetzt, ja, ihn als «größten Lehrer der Kirche seit den Aposteln» gefeiert, als «unsterbliches Genie», sich darüber entrüstend, dass man ihn einmal in Rom angriff, «nicht wegen der Neuheit seiner Thesen, nicht wegen Häresie, wie jetzt wütende Hunde gegen ihn vorgäben, sondern weil man den Ruhm seiner Beredsamkeit und seines Wissens nicht ertragen könne». Schließlich waren einst auch die Kirchenlehrer Basilius, Gregor von Nazianz, Athanasius und Ambrosius für Origenes eingetreten. Nun aber, da dessen Gegner Auftrieb bekamen, Papst Anastasius sich wider ihn stellte, die Bischöfe Simplicianus von Mailand, Cromatius von Aquileja, Synoden in Jerusalem, Alexandrien, Cypern, wechselte auch Hieronymus, wie andere prominente Kirchenführer, jäh die Partei. Schamlos verleugnete er seinen Meister und mauserte sich, wie Theophil, sozusagen über Nacht zu einem rabiaten Antiorigenisten.  

Origenes, dessen Vater Leonidas 202 den Martertod fand, wie er auch selber, unter Decius, ohne zu widerrufen, gefoltert wurde, war bereits um 254 (etwa im 70. Lebensjahr) gestorben. Es ist unsicher, ob an den Folgen der Tortur. Sicher aber zählt Origenes zu den edelsten Christen überhaupt. (Deschner)

Der Schüler des Clemens von Alexandrien repräsentierte zu seiner Zeit die christliche Theologie im gesamten Orient. Und noch lang nach seinem Tod schätzten ihn viele, wohl die meisten namhaften Bischöfe des Ostens hoch, darunter die Kirchenlehrer Basilius und Gregor von Nazianz, die gemeinsam eine Blütenlese aus seinen Schriften verfassten, die «Philokalia». Sogar Kirchenlehrer Athanasius schützte Origenes und berief sich auf ihn. Überhäufen ihn doch auch heute katholische Theologen wieder mit Lob, und vermutlich bedauert die Kirche längst seine einstige pauschale Verketzerung.

In der Antike gab es wegen Origenes fast ständig Streit, wobei man allerdings, wie üblich, den Glauben oft nur vorschob; zumal um 300, 400 und Mitte des 6. Jahrhunderts, als Kaiser Justinian 553 in einem Edikt neun Sätze des Origenes verdammte unter Zustimmung bald aller Bischöfe des Reiches, besonders des Patriarchen Mennas von Konstantinopel und des Papstes Vigilius. Motiviert hatte den Herrscher ein (kirchen-)politischer Grund: der Versuch, die theologisch gespaltenen Griechen und Syrer im gemeinsamen Haß auf Origenes wieder zu einen. Doch gab es auch dogmatische Gründe - die indes stets gleichfalls politische Gründe sind-, nämlich einige «Irrtümer» des Origenes, wie seine subordinatianische Christologie, wonach der Sohn geringer als der Vater, der Geist geringer als der Sohn ist, urchristlichem Glauben zweifellos glaubwürdiger als das spätere Dogma. Oder seine Lehre von der Apokatastasis, der Allversöhnung: die Bestreitung einer ewigen Hölle, ein Greuel, der für Origenes weder vorstellbar noch mit Gottes Barmherzigkeit zu vereinbaren und (freilich auch neben der gegenteiligen Lehre) im Neuen Testament begründet war.

Fazit: Ein so renommierter Theologe jedoch wie Carl Schneider, einer der hervorragenden Kenner des antiken Christentums, wirft heute dem zur höchsten Würde der Catholica aufgestiegenen Kirchenlehrer und Patron ihrer theologischen Fakultäten die «dümmsten Albernheiten» vor, die «gewissenlosesten Verleumdungen und Fälschungen», «verlogene Intrigensucht und krankhafte Eitelkeit, Triebhaftigkeit und Treulosigkeit», «Dokumentenfälschungen, geistige Diebstähle, Hassausbrüche, Denunziationen ... »"

Quelle: Deschner Kriminalgeschichte des Christentums Band 1 und 2,  und

http://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hieronymus.htm


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