| Aus der Trickkiste der Vertreter des
Glaubens
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| Teil 4
Textmarken: Die Irrationalität des Glaubens, Glaube und Aberglaube, Die Verschleierungstaktik, Bibelsprüche - unendlich dehnbar, Die kleine Welt der Gläubigen |
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Die Irrationalität des Glaubens Dieses Argument wird ebenfalls angewandt, um Widersprüche aufzulösen, etwa den Widerspruch der fleischlichen Auferstehung bei den Evangelisten und der Auferstehung des geistigen Leibes bei Paulus (1 Korinther 15). Hier sagte mir einmal ein Theologe, dass man dieses Ereignis der Auferstehung überhaupt nicht mit unseren Kategorien beschreiben kann und es daher immer missverständlich sein muss. Tatsächlich bleibt heute auch manches im naturwissenschaftlichen Bereich widersprüchlich. Die Entdeckung des Welle-Teilchen Dualismus ist ein Beispiel dafür. Und da fragt der Theologe Heinz Zahrnt natürlich zu Recht: "Wenn selbst die "exakte" Naturwissenschaft ihre Wahrheit nur noch in Bildern und Gleichnissen auszudrücken vermag, hat dann nicht erst recht die Theologie ein Recht dazu?" Heinz Zahrnt (Heinz Zahrnt - Warum ich glaube Seite 206,207) erzählt hierzu eine Anektote von Werner Heisenberg. Werner Heisenberg zitiert einmal zustimmend Niels Bohr, der bei gemeinsamen Küchenarbeiten während eines Skiurlaubs auf einer Almhütte gesagt hat: "Mit dem Geschirrwaschen ist es doch genau wie mit der Sprache. Wir haben schmutziges Spülwasser und schmutzige Küchentücher, und doch gelingt es, damit die Teller und Gläser schließlich sauber zu machen. So haben wir in der Sprache unklare Begriffe, und eine in ihrem Anwendungsbereich in unbekannter Weise eingeschränkte Logik, und doch gelingt es damit Klarheit in unser Verständnis der Natur zu bringen." Heisenberg weitet diese Aussage Bohrs von der Naturwissenschaft auf die Philosophie und die Metaphysik aus und sagt von ihnen allen: "Wir sind gezwungen in Bildern und Gleichnissen zu sprechen, die nicht genau das treffen, was wir wirklich meinen. Wir können auch gelegentlich Widersprüche nicht vermeiden, aber wir können uns doch mit diesen Bildern dem wirklichen Sachverhalt irgendwie nähern." Glaube muss nicht rational begründet werden, aber er sollte doch wie naturwissenschaftliche Erkenntnis hinterfragbar sein und nicht zum Dogma erstarren.
Offen bleibt für den Gläubigen, wie er Phantasie und Glaube, bzw. Glaube und Aberglaube trennen soll. Wie soll er die Glaubwürdigkeit messen? - Mit dem Gefühl? Auch Gefühle sind fehlbar! Wer kann schon die Giftigkeit von Autoabgasen mit seinem Gefühl ermessen? Wenn man bei der Bibelexegese irrationale Interpretationen in seine Betrachtungen einbezieht, kommt man zu einer unendlichen Mehrdeutigkeit einer Bibelstelle. Will man nun eine Bibelstelle zur Handlungsgrundlage machen, muss diese Mehrdeutigkeit auf einige wenige Deutungen reduziert werden.
Es gibt fast keine Methode, die nicht genutzt wird, um die Wahrheit zu verschleiern. So werden unliebsame Bibelstellen bei der Wiedergabe in Kommentaren einfach durch Punkte ersetzt. Die Bibelstelle 1. Mose 49:9-10 wird in einem Buch der Wachturmgesellschaft (Organisation der Zeugen Jehovas) so zitiert: Zitat aus dem Buch "Dein Königreich komme" Seite 51 Ein Löwenjunge ist Juda . . . Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo (was "Er, dessen es ist" bedeutet) kommt; und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören. Der Satz "Vom Raub wirst du, mein Sohn, gewisslich emporsteigen" sowie der darauf folgende Satz sind hier durch Punkte ersetzt worden. Aber vielleicht wird auch diese unliebsame Stelle
eines Tages durch eine andere Übersetzung entschärft. Auch eine
Methode, um die Glaubwürdigkeit der Bibel zu erhöhen. In der
Lutherbibel (Ausgabe von 1984) bezieht sich der Satz nur auf Juda und
nicht auf die Zukunft des Stammes Juda. Hier steht: "Du bist
hochgekommen mein Sohn vom Raube." Schilo (lt. Neue
Weltübersetzung) wird in der
Lutherbibel mit "Held" übersetzt. Die Einheitsübersetzung
übersetzt den Vers 10 folgendermaßen: "Nie weicht von Juda das Zepter,
der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem
der Gehorsam der Völker gebührt." Hierzu steht als Kommentar: "Gemeint
ist vielleicht David, der den Herrscherstab übernimmt. Die Übersetzung
ist unsicher."
Bibelsprüche - unendlich dehnbar In einer Stellungnahme zum Schöpfungsglauben und zur Evolutionstheorie liefert der jetzige Papst Benedikt XVI (Joseph Ratzinger) ein Musterbeispiel moderner Interpretationskunst. Hier können nur seine wesentlichen Argumente wiedergegeben werden. Wer sich für die ganze Abhandlung interessiert, sei auf das Buch "Wer ist das eigentlich - Gott" (1969) aus dem Kösel Verlag verwiesen (siehe Seite 238 ff). "Das Problem", so schreibt Prof. Ratzinger, "hat verschiedene Ebenen, die wir voneinander unterscheiden und getrennt würdigen müssen. Zunächst gibt es einen verhältnismäßig vordergründigen Aspekt des Ganzen, der nur zum Teil wirklich theologischer Natur ist: Die vor Darwin herrschende Idee der Konstanz der Arten hatte sich vom Schöpfungsgedanken her legitimiert; sie sah jede einzelne Art als eine Schöpfungsgegebenheit an, die seit dem Beginn der Welt durch Gottes schöpferisches Wirken als etwas eigenes und anderes neben den sonstigen Arten besteht. Es ist klar, dass dieser Form von Schöpfungsglauben der Entwicklungsgedanke widerspricht und dass diese Ausprägung des Glaubens heute unhaltbar geworden ist." Ratzinger spielt hier eine der Schwächen des Schöpfungsglaubens herunter. Der grundsätzliche Unterschied zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie wird zur Ausprägung, zu einer der möglichen Interpretationen der Schöpfungsgeschichte. Nun definiert er die Grundaussage des Glaubens und setzt sie in Beziehung zur Evolutionstheorie. "Die Ausweitung des Schöpfungsbegriffs in Einzelgebilde hinein konnte lange Zeit den tieferen Unterschied und damit das eigentliche Problem verdecken, um das es geht. Der Schöpfungsglaube fragt nach dem Dass des Seins als solchen; sein Problem ist, warum überhaupt etwas ist und nicht nichts. Der Entwicklungsgedanke hingegen fragt, warum gerade diese Dinge sind und nicht andere, woher sie ihre Bestimmtheit erlangt haben und wie sie mit den anderen Bildungen zusammenhängen." Damit reduziert Prof. Ratzinger den Schöpfungsglauben erst einmal auf das Grundproblem. Die Bibel gibt jedoch im Schöpfungsbericht Antworten, mit denen ein Weltbild definiert wird. Sie stellt die Schöpfung in einen zeitlichen Rahmen. Dieser Widerspruch zum naturwissenschaftlich gesicherten Weltbild stellt für Prof. Ratzinger jedoch kein Problem dar, da er immer schon existiert hat. Die Bibel entstand ja in verschiedenen Kulturepochen, von der babylonischen bis zur hellenistischen bestimmten Zeit. Lt. Prof. Ratzinger bedient sich der Glaube eines Weltbilds, aber er fällt nicht mit ihm zusammen." Ratzinger bezeichnet dies als die Weite des Glaubens. Diese Weite des Glaubens ist, so Prof. Ratzinger, mit der buchstäblichen Exegese seit etwa dem 13. Jahrhundert verloren gegangen. Von daher hat Prof. Ratzinger keine Skrupel in der Person Adams, dessen Lebensgeschichte in der Bibel erzählt wird, den Menschen von gestern, heute und morgen zu sehen. Er schreibt: "Da wäre denn zuerst daran zu erinnern, daß auch hinsichtlich der Erschaffung des Menschen die Schöpfung nicht einen fernen Anfang bezeichnet, sondern mit Adam jeden von uns meint: Jeder Mensch ist direkt zu Gott. Der Glaube behauptet vom ersten Menschen nicht mehr als von jedem von uns und umgekehrt von uns nicht weniger als vom ersten Menschen." Im weiteren Text dieser Argumentation erfahren wir dann von Prof. Ratzinger, was der unbekannte Autor der Schöpfungsgeschichte eigentlich sagen wollte. "Wenn Schöpfung Seinsabhängigkeit bedeutet, so ist besondere Schöpfung nichts anderes als besondere Seinsabhängigkeit. Die Behauptung, der Mensch sei in einer spezifischeren, direkteren Weise von Gott geschaffen als die Naturdinge, bedeutet etwas weniger bildhaft ausgedrückt, einfach dies, dass der Mensch in einer spezifischen Weise von Gott gewollt ist: nicht bloß als ein Wesen, das "da ist", sondern als ein Wesen, das ihn kennt; nicht nur als Gebilde, das er gedacht hat, sondern als Existenz, die ihn wieder denken kann. Dieses spezifische Gewolltsein und Gekanntsein des Menschen von Gott nennen wir seine besondere Erschaffung. Von da aus wird man geradezu eine Diagnose über die Form der Menschwerdung aufstellen dürfen: Der Lehm war in dem Augenblick zum Menschen geworden, in dem ein Wesen erstmals, wenn auch noch so verschattet, den Gedanken Gott zu bilden vermochte." Wenn man diese beiden Sätze im Zusammenhang mit der Haltung der Kirche zur Abtreibungsfrage betrachtet wird sofort klar, dass Ratzinger hier die Menschwerdung des einzelnen Menschen von heute anders definiert als die Kirche. Der Mensch wird hier erst zum Menschen, wenn er Gott denken kann. Kinder kommen i. a. nicht von selbst auf die Idee, dass es Gott gibt und es kommen auch nicht alle Erwachsenen auf die Idee, dass es Gott gibt. Schließlich ist dies eine Glaubenssache. Sind das dann alles keine Menschen? Die Anschauung, dass die Menschwerdung im Rahmen der Evolutionsgeschichte mit der Religion beginnt, ist in der kath. Kirche weit verbreitet. Zum Thema Geist vertritt Prof. Ratzinger hier eine materialistisch wirkende Erklärung: "Sodann wäre die Einsicht aufzugreifen, daß Geist nicht als etwas Fremdes, als eine andere, zweite Substanz zur Materie hinzutritt; das Auftreten des Geistes bedeutet nach dem Gesagten vielmehr, daß eine voranschreitende Bewegung an dem ihr zugewiesenen Ziel ankommt." Soweit Prof. Ratzinger. Der Mensch als Ziel der Evolution, das entspricht dem biblischen Verständnis vom Menschen als der Krone der Schöpfung. Aber die Evolution geht auch in unseren Tagen weiter. Zur biologischen Evolution kommt die kulturelle Evolution und vielleicht eines Tages der gentechnisch veränderte Mensch. Von der Schöpfungsgeschichte der Bibel ist hier nichts mehr übrig geblieben. Für Ratzinger enthält diese Geschichte nur zwei epochale Ereignisse, die Schöpfung des Seins aus dem Nichts, und die Schöpfung des menschlichen Bewusstseins. Diese zwei epochalen Ereignisse hat der Autor der Schöpfungsgeschichte durch die Brille seines Geistes und seiner Zeit gesehen und heraus kam dann jene primitive Schöpfungsgeschichte. Die Evolutionstheorie erklärt nicht, wie die Materie aus dem Nichts gekommen ist und sie erklärt auch nicht wie der Geist die Lebewesen erfüllte. Es bleiben zwei ungelöste Fragen. Für Ratzinger ein Hinweis auf seinen Gott. Aber ungelöste Fragen müssen nicht unlösbar sein und die Lösung muss auch nicht Gott heißen. Ist es nicht ehrlicher sie einfach offen zu lassen? Der Lückenbüßergott ist tot, sagen die Theologen, nach den schlechten Erfahrungen, die man in der Vergangenheit damit gemacht hat, aber er lebt offenbar immer wieder auf. Für Ratzinger ist Materie ein passives Element dieser Welt, ein Spielball des göttlichen Geistes. Aber Materie ist nicht passiv. Materie besteht nicht nur aus dem Sein. Sie ist ein Ding mit Eigenschaften. Sie reflektiert das Licht. Sie geht chemische Reaktionen ein, in der Sonne auch atomare Reaktionen. Elemente wie Uran und die Transurane geben energiereiche Strahlung ab. Sie zeigt sich als Festkörper oder als Flüssigkeit. Von ihr geht die Schwerkraft aus. Nur durch diese Eigenschaften nehmen wir sie wahr. Ein Ding ohne Eigenschaften würden wir nicht wahrnehmen. Und diese Eigenschaften, die je nach Zusammensetzung der Elemente unterschiedlich sind, reichen auch aus, um die Entstehung des Lebens und des Geistes zu erklären (siehe das Kapitel "Dimensionen des Geistes"). Die zeitlich grob fixierbare Entstehung des Lebens auf unserem Planeten ist ein Hinweis auf die Entstehung unserer Erde, aber nicht auf die Entstehung der Materie. Im riesigen Weltall ballt sich die Materie in Supernovas zusammen und von Zeit zu Zeit explodieren diese und die Materie verteilt sich wieder über den Raum. Die astronomische Zeit, mehr als 15 Milliarden Jahre seitdem dies so abläuft, ist, gemessen an unserer Lebensspanne, eine Ewigkeit. Aber Worte wie Ewigkeit und Unendlichkeit sind in Religionsgemeinschaften dem Allerhöchsten vorbehalten.
Die Unendlichkeit eines Gottes wird behauptet und geglaubt, aber die Kirche akzeptiert nur einen endlichen Raum und eine endliche Zeit, eine geordnete Welt, eine kleine Welt, wobei vermieden wird diese Welt als ein Spielzeug Gottes darzustellen, denn Gott ist schließlich erwachsen, verantwortungsbewusst und gerecht. Nur eine solche Welt vermittelt die Geborgenheit und den Schutz, den der Gläubige sucht. Die christliche Religion bietet genau dies. Sie verspricht einen Gott, der sich Tag und Nacht um sein Gärtlein kümmert, in dem die Menschen, seinen Naturgewalten ausgesetzt sind, natürlich nur die Bösen oder diejenigen, deren Glauben er gerade prüft. Ansonsten ist er bei jeder Panne sofort für den betenden Gläubigen im Einsatz.
Kleiner als die bekannte irdische Welt ist daher die himmlische Welt, die die Bibel beschreibt. In der himmlischen Welt gibt es nur eine einzige Stadt, das himmlische Jerusalem. Aber hiervon hat die Bibel immerhin 2 Ausgaben im Angebot. Eine sehr kleine Stadt, die der Größe nach eher einem Dorf entspricht, wo jeder jeden kennt und wo Gott gleich um die Ecke wohnt, bietet das Alte Testament bei Hesekiel.
Eine Elle gemäß dem Maß des Herrn ist lt. Bibellexikon gleich 52,5 cm. 4500 x 52,5 = 236250 cm also ist die heilige Stadt ein Quadrat mit einer Kantenlänge von ca 2,36 km. Da wohnt Gott ganz in der Nähe der auserwählten Kinder des Volkes Israel. Er ist da der nette Nachbar, den man mal eben zum Kaffeekränzchen einladen kann. Und es ist eine friedliche Welt, in der Gerechtigkeit herrscht. Das weiß Jesaja
Jesaja kennt aber auch 1. Mose 6,3, wonach der Geist Gottes nur eine begrenzte Zeit dem Menschen Leben schenkt, und so prophezeit er:
Der Autor der Offenbarung liebt mehr die Weite und er rechnet mit einer großen Schar, die in der heiligen Stadt wohnen soll, und so sieht er ein architektonisches Meisterwerk, und da Jesus ewiges Leben versprochen hat, gibt es den Tod nicht mehr.
10 Stadien entsprechen ca 1,8 km lt. Bibellexikon. Die Stadt hat demnach einen quadratischen Grundriss mit der Kantenlänge von 2160 km, auf einem Berg gelegen, der ebenfalls 2160 km hoch ist. Na - wem bei diesem architektonischen Meisterwerk nicht die Luft wegbleibt. Dazu passt was schon der Psalmist sagt:
Und wer es immer noch nicht gemerkt hat, dass dies eine Phantasiewelt ist, die den Wunschvorstellungen aber auch den Schreckensvisionen ihrer Autoren entspricht, der lese
Die im Verhältnis zum Alten Testament überdimensionierten Ausmaße der heiligen Stadt in der Offenbarung lassen vermuten, dass die Ausmaße der Stadt dem erweiterten Weltbild angepasst wurden. Man fragt sich aus heutiger Sicht auch, warum die himmlische Stadt eine Stadtmauer hat, wo doch niemand da ist, der sie angreifen kann und gegen die heutigen Waffen sind Stadtmauern ohnehin wirkungslos. Wer hier glaubt, dass diese Texte nur als verschlüsselte Botschaft zu verstehen sind, der möge bedenken, dass dieser Abschnitt der Bibel den Titel Offenbarung trägt. Es war also die Absicht des Autors dieser Zeilen etwas offen zu legen. Die ersten drei Kapitel wenden sich explizit an einige junge christliche Gemeinden der damaligen Zeit. |