Jesus von Nazareth
Teil 8

Textmarken:  Die Verharmlosung der Konsumdroge Alkohol,    Das Weltbild des Jesus von Nazareth,    Jesus - Ganz Mensch und ganz Gott?,    Ein mysteröser Tod,    Die Lüdemann-Kriterien,    Mein Weg zu Jesus


Die Verharmlosung der Konsumdroge Alkohol

Im Leben und Denken des Jesus von Nazareth spielt der Wein  eine nicht unbedeutende Rolle. Im Unterschied zu Johannes dem Täufer, der enthaltsam lebte und keinen Wein trank (Markus 1,6, Matthäus 3,4) Johannes der Täufer lebte nach dem Vorbild des Propheten Elija (2. Könige 1,8).

Der Wein oder der Weinberg tauchen in mehreren Gleichnissen auf.

Matthäus 9:17 (Markus 2:22, Lukas 5:37)

Auch gießt man nicht neuen Wein in alte Weinschläuche; wenn man es aber tut, werden die Weinschläuche bersten, und der Wein wird verschüttet, und die Weinschläuche sind verdorben; sondern man gießt neuen Wein in neue Weinschläuche und beides bleibt erhalten.

Selbst wenn man hier annimmt, dass lediglich die Massensuggestion durch den Festleiter dieses Wunder möglich machte (Johannes 2:10), so bleibt doch der Vorwurf des Betrugs an Jesus haften, denn er hat seine Mitmenschen in dem Glauben gelassen, zaubern zu können.

Das erste Wunder, das Jesus wirkt ist lt. Johannes das Wunder bei dem Jesus angeblich Wasser in Wein verwandelt hat, das Wunder bei der Hochzeit zu Kanaan (Johannes 2:1-11). Ein Beitrag zu einem Besäufnis!

Er selbst bezeichnet sich als den wahren Weinstock.

Johannes 15:1

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.

Um die Arbeit im Weinberg des Herrn geht es in Matthäus 20:1-14, Matthäus 21:28-31, Matthäus 21:33-44, Markus 12:1-11, Lukas 20:9-14.

Und auch zu seinem letzten Mahl lässt sich Jesus einen guten Tropfen kredenzen (Lukas 22:19).

Wie streng waren doch da die Regeln, die der Prophet Jeremia verkündet hat.

Jeremia 16:8

Und du sollst überhaupt kein Haus des Festgelages betreten, um dich mit ihnen zum Essen und zum Trinken niederzusetzen.

Die Verharmlosung von Konsumdrogen am Beispiel des Alkohols zeigt, dass Jesus die gesellschaftstragende Verantwortung seiner Bewegung nicht erkannt hat, im Gegensatz zu Paulus, der seinen Anhängern empfiehlt

Eph 5:18
Berauscht euch nicht mit Wein - das macht zügellos -, sondern lasst euch vom Geist erfüllen! (siehe auch Römer 14:21 und 1. Timotheus 3:8)

Lediglich zu medizinischen Zwecken lässt Paulus geringe Mengen Wein zu.

1.Tim 5,23
Trink nicht nur Wasser, sondern nimm auch etwas Wein, mit Rücksicht auf deinen Magen und deine häufigen Krankheiten.

Aber derjenige, der alkoholische Getränke zu sich nimmt tut dies in den seltensten Fällen wegen der medizinischen Wirkung, sondern wegen der berauschenden Wirkung und da schädigt der Alkohol die Leber. Außerdem wirkt Alkohol  in geringen Mengen enthemmend. Das führt dann dazu, dass manche Aktionen nicht mehr unter der strengen verstandesmäßigen Kontrolle ablaufen. Der Alkoholisierte macht sich nicht mehr die Mühe, alle Konsequenzen seiner Handlungen abzuschätzen und danach zu handeln. So kommt es dann zu Schlägereien, und nicht selten stürzen alkoholisierte Autofahrer andere in’s Unglück.

 

Das Weltbild des Jesus von Nazareth

Einige Bibelstellen lassen u. a. auch Rückschlüsse auf das Weltbild des Jesus von Nazareth zu. Nun kann man einwenden, dass die Bibel kein naturwissenschaftliches Buch ist, sondern ein Buch des Glaubens. Andererseits wird aber die Bibel auch als das Wort Gottes bezeichnet und so sollten auch jene Aussagen den Tatsachen entsprechen, die vom Schöpfer der Natur über die Natur gemacht werden, zumal Paulus in

Römer 1,20 sagt:
Seit Erschaffung der Welt wird seine (Gottes) unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit.

Ein anderer berechtigter Einwand betrifft die Bibelzitate, die hier aus ihrem Zusammenhang herausgelöst wurden. Hier stellt sich die Frage inwieweit die Aussage dieser Bibelzitate vom Zusammenhang abhängig ist. Dort, wo ein Zusammenhang zu Texten des Alten Testament besteht, wird darauf verwiesen. Ein Teil der Bibelstellen, die hier genannt werden, kann aber unabhängig vom Zusammenhang gewertet werden, denn nicht jede Aussage ist vom Zusammenhang abhängig. Beispiel: Die Aussage  "dieser Ball ist rund" oder "zwei plus drei ist fünf" ist unabhängig vom Zusammenhang richtig.

Betrachten wir nun:

Matthäus 4:8 (Lukas 4:5; Johannes 4:8)

Wieder nahm ihn der Teufel mit auf einen ungewöhnlich hohen Berg und zeigte ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit.

Deckenfresko in St. Ludwig München, entstanden 1838/39

Ausschnitt aus einem Deckenfresko in St. Ludwig München, entstanden 1838/39. In der Darstellung sind Engel zu sehen, die die Gestirne festhalten, so wie dies die Bibel beschreibt.

Jesus, der dies seinen Jüngern berichtete, glaubte offenbar, wie die meisten Israeliten seiner Zeit, dass man die Erde von einem hohen Berg überblicken kann, was wegen der Kugelgestalt der Erde bekanntlich unmöglich ist.

Meist wird bei der Interpretation nur auf den religiösen Aspekt, auf die Versuchung eingegangen. Der weltanschauliche Aspekt dieser Aussage wird außer Acht gelassen. Man könnte auch sagen es wird mit einer falschen weltanschaulichen Aussage eine religiöse Aussage gestützt.

 Satan bietet als Fürst dieser Welt (Johannes 12:31) Reichtum und verlangt dafür Verehrung. Jesus widersteht dieser Versuchung und dient nur Gott. Jesus hält dagegen  "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". (Johannes 18:36).

Es geht um das Streben nach materiellen Gütern oder um das Streben nach Liebe Geborgenheit, Wärme, gefühlsmäßige Aspekte. Aber da muss man sich dann fragen, warum nicht beides? Das schließt Jesus aus

Matthäus 6,24
Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. (Kommentar der Einheitsübersetzung; Der ursprüngliche Sinn des hebräischen und aramäischen Wortes «Mammon» ist umstritten, vielleicht: das, worauf jemand vertraut, oder: das Sichergestellte, Gesicherte. Es wurde dann zur allgemeinen Bezeichnung für Besitz und Geld. Im Neuen Testament wird es Mt 6,24; Lk 16,9.11.13 im abwertenden Sinn für die dämonische Macht des Besitzes gebraucht. )

Hier wird ein Gegensatz aufgebaut, der im Leben so gar nicht existiert. Man kann durchaus mit materiellen Gütern gesegnet sein und glücklich sein. Wer etwa von seinen Mieteinnahmen leben kann, sich in Hotels an schönen Badestränden verwöhnen lassen kann, ist sicher besser dran als jemand, der bei der Heizung und beim Essen sparen muss und dessen Wohnung an einer Hauptverkehrsstraße liegt.

Und wer meint Jesus hat die weltanschaulichen Vorstellungen seiner Zeit nur aufgegriffen, der sei daran erinnert, dass der Grieche Eratosthenes bereits um 230 v.Chr. den Umfang der Erde errechnet hat.

Markus erwähnt übrigens nur, dass der Geist Jesus in die Wüste trieb. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. (Markus 1,12-13).  Das eröffnet die Möglichkeit den Bericht der anderen drei Evangelisten anzuzweifeln und hier zu vermuten, dass es sich um eine Legende handelt. Anhand weiterer Bibelstellen lässt sich jedoch zeigen, dass alle Evangelisten davon ausgehen, dass Jesus an das antike Weltbild glaubte.

Auch die Vorstellung des Jesus von Nazareth vom Himmel entspricht, gemäß dem Zeugnis der Evangelisten, dem alten Weltbild, wo der Himmel auch der Wohnort der Götter ist.

Lukas 10:18

Darauf sagte er zu ihnen: "Ich sah den Satan wie einen Blitz bereits aus dem Himmel gefallen."

Gemäß dem israelitischen Weltbild ist der Himmel wie eine Käseglocke über die Erde gestülpt. Der Himmel (das Firmament)  ist demnach eine feste Schale (1. Mose 1,7). An diesem festen Himmel sind die Gestirne zum Teil angeheftet, zum Teil werden sie von Engeln festgehalten und bewegt, wie dies auf Darstellungen in alten Kirchen noch heute zu sehen ist (siehe Gottesbild und Weltbild im alten Israel).

 

Markus 13:24-27 (Lukas 21:26, Matthäus 24, 29-34)

Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, daß das Ende vor der Tür steht.  Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.

Gelegentlich wird der Feigenbaum in der Bibel als Sinnbild für das Volk Israel (das Volk Gottes) verwendet. Beispiel:

Jeremia 8,13
Will ich bei ihnen ernten - Spruch des Herrn -, so sind keine Trauben am Weinstock, keine Feigen am Feigenbaum, und das Laub ist verwelkt. Darum habe ich für sie Verwüster bestellt.

Jesus schildert jedoch hier eine Weltuntergangs-Szene. Hier handelt es sich also um eine Bezugnahme auf das in Israel vorherrschende antike Weltbild und solche Bezüge auf das Weltbild sind immer auch als solche zu verstehen.

Man kann ja nicht, nur weil einmal der Feigenbaum als Sinnbild für das Volk Israel gebraucht wird, nun jeden Feigenbaum, der in der Bibel vorkommt, so interpretieren.

Der Vergleich mit dem Feigenbaum wird klar, wenn man bedenkt, dass Jesus und seinen Zeitgenossen die Apokalypse des Jesaja bekannt war.

Jesaja 34,4

...alle Hügel zerfließen. Wie eine Buchrolle rollt sich der Himmel zusammen, sein ganzes Heer (das Himmelsheer / die Sterne) welkt dahin, wie Laub am Weinstock verwelkt, wie Früchte am Feigenbaum schrumpfen.

Offenbarung 6,13-14

Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde, wie wenn ein Feigenbaum seine Früchte abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn schüttelt. Der Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln wurden von ihrer Stelle weggerückt.

Offenbarung 12,3 - 4

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab.

Jesus wollte also damit sagen, wenn die Sterne wie die Feigen vom Himmel fallen, dann wisst ihr, dass das Ende nahe ist. Nur - die Sterne werden niemals wie die Feigen vom Himmel fallen, schon gar nicht alle auf einmal, weil sie, abgesehen von den Planeten, um ein vielfaches größer sind als die Erde und weil die Erde schon in der Nähe eines Sterns verglühen würde.

An diesen Bibelstellen erkennt man deutlich, dass Jesus, aber auch der Autor der Offenbarung die Größe der Sterne völlig unterschätzt hat. Die Vorstellung, dass Sterne herunterfallen können rührt vermutlich daher, dass im Sommer regelmäßig kleine Meteoriten in der Erdatmosphäre verglühen.

Da man vor allem jene Sterne, die sich für das menschliche Auge sichtbar bewegen, mit Engeln (Lichtgestalten, Söhnen des Lichts Lukas 16,8; Johannes 12,36; 2. Korinther 11,14) identifizierte wird auch Jesus mit einem Stern identifiziert, natürlich mit dem hellsten Stern, der Venus, dem Morgenstern!

Offenbarung 22,16
Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern.

Bei der Identifizierung der Person Jesu mit dem Morgenstern hatte der Autor der Offenbarung vermutlich eine Prophezeiung Jesajas im Sinn.

Jesaja 14,12

Ach, du bist vom Himmel gefallen, du strahlender Sohn der Morgenröte. Zu Boden bist du geschmettert, du Bezwinger der Völker.

Der Text verwendet mythische Bilder. Nach babylonischer Anschauung wurde Helel, der Sohn der Morgenröte, in die Unterwelt gestürzt, als er in den Himmel aufsteigen wollte.
 

Gelegentlich ist im Neuen Testament auch von mehreren Wohnungen oder mehreren Himmeln die Rede. Jesus spricht in Johannes 14,2 davon, dass es im Hause seines Vaters viele Wohnungen gibt. Auch Lukas 16,9 spricht von den ewigen Wohnungen. Paulus glaubt offenbar an mehrere Himmel.

2. Korinther 12,2-5

Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es. Und ich weiß, daß dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann. Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.

Nach dem damals vorherrschenden Glauben lagen Naturkräfte allesamt in der Verfügungsgewalt Gottes bzw. seiner dienstbaren Geister. Der Glaube an einen Schöpfergott entstand in einer Zeit als Naturkräfte wegen ihrer Unberechenbarkeit personifiziert wurden. Nichts bewegte sich ohne göttliche Mitwirkung. Dies lehrt auch die Bibel. Da war keine anonyme Naturgesetzlichkeit am Werk, sondern wenn ein Sturm die See aufwühlte dann war dies das Werk der Geister.

Markus 4:39 - 41

Und er (Jesus) stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Bedrohen kann man nur ein Wesen, das einen versteht, also über einen Verstand verfügt. Jesus sah also gemäß dem antiken Weltbild in dem WInd eine personifizierte Naturgewalt.

Auch Paulus glaubte an Winddämonen.

Hebräer 1,7
Und von den Engeln sagt er: Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen;

Zwischen den Wellenbewegungen des Meeres und dem Wind sah man damals noch keine Abhängigkeit, denn das Meer ist auch noch einen Tag nach einem Sturm unruhig oder wenn es weit draußen auf dem Meer zu einem Unwetter kommt. Deswegen befiehlt Jesus dem Meer und dem Wind.

Gemäß dem Zeugnis der Evangelisten ist der Wind für Jesus ein Geistwesen.

Joh 3:8
Der Wind
weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist. (Kommentar der Einheitsübersetzung: Für «Wind» und «Geist» steht im griechischen Text das gleiche Wort (pneuma), im alten Testament steht dafür das Wort Odem (Windhauch) siehe hierzu auch Jesus Teil 7).

Offenbarung 7,1
Danach sah ich: Vier Engel standen an den vier Ecken der Erde. Sie hielten die vier Winde der Erde fest (die vier Winddämonen), damit der Wind weder über das Land noch über das Meer wehte, noch gegen irgendeinen Baum.

Die Exegeten der christlichen Kirchen behaupten meist, dass es sich bei der Offenbarung um Visionen und Bilder handelt, die interpretiert werden müssen. Aber der Text heißt Offenbarung und etwas offenbaren heißt es offen zu legen, es für alle erkennbar zu machen . Die Offenbarung ist daher kein verschlüsselter Text. Sie ist ja auch als Warnung für jene gedacht, die an der Botschaft zweifeln. Ihnen wird ein Strafgericht angedroht, wenn sie die Gemeinschaft verlassen. Nur hat der Autor nicht gewusst, dass sein antikes Weltbild nicht der Realität entspricht.

Für die Wellenbewegung des Meeres machte man die Geister des Meeres verantwortlich, zu denen auch im Meer ertrunkene Seefahrer gehörten, deshalb befiehlt in der oben genannten Bibelstelle Jesus.dem Meer genauer gesagt den Geistern des Meeres und den Winddämonen zu schweigen.

Hiob 26:5

Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen.

In den Auslegungen der Kirche wird diese Szene nur unter dem religiösen Aspekt gesehen.

Hier ein Beispiel zitiert aus "Worte zum Sonntag" im Anzeigenblatt der Stadt Eisenach "AA am Sonntag" 26. November 2006: Mit seinen Freunden fuhr Jesus über den See Genezareth - bei sanftem Wellenschlag, geeignet Jesus in den Schlaf zu wiegen. Doch in kurzer Zeit können sich ohne Anzeichen schlechten Wetters die Winde auf dem See ändern. Aus heiterem Himmel kann Sturm aufkommen. Von Jesus heißt es: "Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister fragst Du nichts danach, dass wir umkommen?" (Markus 4,38) Wind und Wellen machten dem Boot zu schaffen. Die Menschen sind mitten im Sturm, doch Jesus ruht auf seinem Kissen. - Kennen Sie das Gefühl,  wenn einem das Wasser bis zum Halse reicht. Hilfe scheint weit weg zu sein. Doch Jesus ist mit uns im Boot. Er ist ganz nah und da. Er hört unseren Notruf.      Gesegnete Zeit Egmond Prill

Die Bibel erzählt ein Wunder. Egmond Prill macht daraus eine Alltagsgeschichte, wie sie auch in unserer Zeit vorkommt, eine Notsituation. Doch der gute Jesus hört und erhört unseren Hilfeschrei. Er ist mit uns im Boot. Den weltanschaulich / naturwissenschaftlichen Aspekt lässt Herr Prill unberücksichtigt.

Lt. Jesus haben Krankheiten ausschließlich geistige Ursachen. Jesus verwendet nie Heilkräuter, sondern treibt Dämonen aus. Sogar Erbkrankheiten wie die Bluterkrankheit (genetisch bedingt) haben lt. Jesus geistige Ursachen. So sagt er zu der an der Bluterkrankheit erkrankten Frau, die meinte durch die Berührung seines Gewands gesund geworden zu sein:

Lukas 8,48

Er sprach zu ihr: "Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh‘ hin in Frieden, und sei von deiner lästigen Krankheit geheilt."

Und wenn ihm tatsächlich jemand Betrug vorwarf, so hatte der Meister immer noch eine Ausrede parat.

Matthäus 12:43-45

Wenn ein unreiner (krankmachender) Geist von einem Menschen ausfährt, durchwandert er dürre Orte, um eine Ruhestätte zu suchen, und findet keine. Dann sagt er: ‘Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin’; und bei seiner Ankunft findet er es unbewohnt, doch sauber gefegt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und nachdem sie eingezogen sind, wohnen sie dort; und die letzten Umstände jenes Menschen werden schlimmer als die ersten.

Natürlich war daran nicht der Meister schuld, sondern der mangelhafte Glaube.

Matthäus 13,58
Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.

Mehr dazu unter dem Kapitel "Die seltsamen Wunder des Herrn Jesus".

In dem Glauben, dass Krankheiten nur geistige Ursachen haben, verwirft Jesus auch die im Gesetzbuch Moses festgehaltenen Hygiene-Regeln (3. Mose Kapitel 11 - 15) und behauptet es handelt sich hier um nutzlose Menschengebote.

Markus 7:1-6 (Lukas 11:37-46)

Es versammelten sich nun bei ihm (Jesus) die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren. Und als sie einige seiner Jünger ihr Mahl mit unreinen, das heißt ungewaschenen Händen einnehmen sahen - denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht ohne sich die Hände bis zum Ellbogen zu waschen, da sie an der Überlieferung der Männer früherer Zeiten festhalten, und wenn sie vom Markt zurück sind, essen sie nicht, ohne sich durch Besprengen zu reinigen; und noch viele andere Überlieferungen gibt es, die sie zu halten übernommen haben: Taufen von Bechern und Krügen und Kupfergefäßen (Gesetz Moses (Gottes) in 3. Mose 11:32) -, da befragten ihn diese Pharisäer und Schriftgelehrten: "Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Männer früherer Zeiten, sondern nehmen ihr Mal mit unreinen Händen ein?" Er sprach zu ihnen: "Jesaja hat treffend von euch Heuchlern prophezeit, so, wie es geschrieben steht:

‘Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren.’

Ihr gebt das Gebot Gottes auf und haltet an der Überlieferung der Menschen fest."

Markus 7,14-23

Obwohl Jesus hier alle Speisen für rein erklärt, ist dies in der Apostelgeschichte ein Streitpunkt. Siehe Apostelgeschichte 15,7-20. Abgesehen davon, dass nicht alles was essbar ist, auch bekömmlich ist.

Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: "Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein (krank) machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein (krank). Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses rätselhaften Wortes. Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Seht ihr nicht ein, daß das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden.

 

Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein. Weiter sagte er: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein (krank)."


Man muss sich einmal klar machen welche Folgen dies für die Entwicklung der Medizin hatte. Denn von nun an galt als erwiesen, dass alles dem Primat des Geistes unterliegt.

Bei seinen Heilungen ist Jesus gelegentlich als klein karierter Nationalist zu erkennen.

Matthäus 15,21-28 (Markus 7,24-30)
Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her (andere Übersetzungsmöglichkeit: Schick sie weg). Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern (Israels) wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Matthäus 7,6
Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Matthäus 10,5-6

Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Der berühmte Aussendungsbefehl "gehet hin in alle Welt und lehret alle Kreatur" (Markus 16:15) wurde erst in späterer Zeit hinzugefügt. Dies ergibt sich aus dem Verhalten der Apostel, das in der Apostelgeschichte dokumentiert ist. Mehr dazu unter dem Kapitel "Wie die Schriften gefälscht wurden".

Johannes 4,20-22

Unsere Väter (Samariter) haben auf diesem Berg (Berg Garizim) Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muß. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

Jesus hat da die gleichen Vorurteile gegenüber Samaritern wie andere Juden. Es wird zwar im weiteren Text bei Johannes behauptet, dass Samariter auf das Wort der Frau hin zum Glauben an Jesus kamen (Johannes 4,39). In der Apostelgeschichte bekehrt jedoch erst Philippus einige Samariter. Dies ist so eine Sensation, dass gleich zwei Apostel dort hin reisen.

Apostelgeschichte 8,14-15

Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft.

Lediglich bei Lukas erzählt Jesus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, (Lukas 10,35-37) Aber Lukas berichtet auch über die ungastlichen Samaritern (Lukas 9,51-56).

So wie Jesus an das alttestamentarische Weltbild glaubte, so glaubte er auch an die Legenden des alten Testaments und nutzt sie, um sich selbst in’s rechte Licht zu rücken.

Matthäus 24:38 (Lukas 17:26-27, 2. Petrus 2:5, 2. Petrus 3:5-6)

Denn geradeso wie die Tage Noahs waren, so wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein. Denn so wie sie in jenen Tagen vor der Sintflut waren: Sie aßen und tranken, Männer heirateten und Frauen wurden verheiratet bis zu dem Tage, an dem Noah in die Arche hineinging, und sie nahmen keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte. So wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein.

Eine andere Geschichte auf die Bezug genommen wird, ist die Geschichte von Jona, die Geschichte eines unglücklichen Propheten. Bei einer Schiffsreise kommt sein Schiff in einen Sturm und die Mannschaft beschließt dem Meer ein Menschenopfer darzubringen (siehe hierzu auch das Stichwort Menschenopfer im Index auf meiner Homepage). Das Los fällt auf Jona. Als Gläubiger lebt er in dem Bewusstsein gesündigt zu haben und fügt sich in sein Schicksal. Aber die Geschichte geht weiter: Ein großer Fisch verschlingt Jona und spukt ihn aber bald wieder aus. Jona findet sich am Land wieder. Er glaubt nun ein Prophet zu sein und geht schnurstraks nach Ninive und verkündet den Bewohnern: "Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen" (Jona 3:4,Luther’84). Die Bewohner von Ninive sind beeindruckt und viele glauben Jona und opfern seinem Gott. Schaden kann’s nie, so sagen sich wohl die meisten. Und vierzig Tage sind schnell vorbei. Aber Ninive geht nicht unter, sehr zum Verdruss von Jona. Trotzdem findet er gleich eine Erklärung. Gott hat vielleicht seine Meinung über die Bewohner von Ninive geändert. Jona wartet noch einige Zeit vergebens in einem Haus, das er sich östlich von Ninive baut, auf den Untergang von Ninive.

Die Zeugen Jehovas übersetzen hier "Nur noch vierzig Tage, und Ninive wird umgekehrt werden" und machen daraus einen doppeldeutigen Spruch, den Jona falsch deutet. So entgehen sie der theologischen Problematik, denn der allwissende Gott müsste auch wissen, wie er selbst entscheiden wird.

Drei Tage und drei Nächte war Jona angeblich im Bauch des Fisches. Seemannsgarn, orientalische Übertreibung? In den Zeiten als noch kleine Fischerboote auf Waalfang gefahren sind, sind Matrosen von gewissen Walarten tatsächlich verschlungen worden. Oft konnte man nur ihre Leichen bergen, aber einzelne überlebten. In dem Buch "Science and Religion" von Dr. Rimmer kann man einen Fall nachlesen, der als eidesstattliche Erklärung niedergeschrieben wurde.

Eine Mannschaft war mit kleinen Booten vom Mutterschiff hinausgefahren, um Waale zu harpunieren. Ein sehr großes Tier konnte harpuniert werden. Das Tier wurde wütend und schoss auf eines der Boote zu. Das Boot kenterte und die Besatzung fiel ins Wasser. Die Mannschaft schwamm auf das Mutterschiff zu. Das wütende Tier griff aber erneut an, und ein Mann verschwand. Dieser Mann berichtete später unter Eid, dass er auf einmal von einer mächtigen Welle ergriffen wurde, wonach es um ihn herum plötzlich stockfinster und entsetzlich warm wurde. Er merkte wie er glatte, elastische Wände hinab glitt, und nach einigen Sekunden landete er in einem scharfen heißen Brei. Er versuchte sich zu befreien wurde aber schon kurze Zeit später ohnmächtig. Das Tier konnte wenig später getötet werden. Beim Aufschneiden fand man den vermissten Mann. Er lag bewusstlos da, lebte aber noch. Seine Haut war gelb. Seine Augen und Ohren stark angegriffen. Es dauerte mehrere Wochen, bis er sich wieder einigermaßen erholt hatte.

Wenn Jona ähnliches widerfahren ist, so hat er wohl bei den Zeitangaben stark übertrieben. Aber drei Tage und drei Nächte, das passte natürlich in das Konzept der Evangelisten Matthäus und Lukas (Matthäus 12:39-41; Lukas 11:29-32). Und wer weiß schon, dreißig oder vierzig Jahre nach dem Tod des Wanderpredigers Jesus, was dieser gesagt hat?

 

Jesus - Ganz Mensch und ganz Gott?

Diese widersprüchliche Formel wird gerne dann gewählt, wenn es um seine Leidensgeschichte am Kreuz geht. Da war er der leidende Mensch, der wie wir gelitten hat. Gott ist Mensch geworden und sogar für unsere Sünden gestorben, so verkünden es die christlichen Kirchen.

Aber hat er auch gedacht wie ein Mensch seiner Zeit? Wenn ja, dann wäre es erklärbar, warum er. wie oben gezeigt, an das antike Weltbild geglaubt hat. Dann müsste sich aber auch die christliche Lehre auf die wenigen Worte stützen, die in den widersprüchlichen Auferstehungsberichten stehen. Zu dürftig, um darauf eine Religion aufbauen zu können, die ohnehin schon zu einem hohen Prozentsatz von den Worten des Apostels Paulus lebt!

Und wie erklärt man dann die Wunder Jesu, auf die man bisher so stolz war und wie seine Aussagen über Himmel und Hölle. Allen Gläubigen klingen doch noch die Worte Jesu in den Ohren: "Dort wird sein Heulen und Zähneklappern" (Matthäus 8,12; Matthäus 13,42; Matthäus 13,50; Matthäus 22,13; Matthäus 24,51; Matthäus 25,30; Lukas 13,28).

Ein weiteres Problem ist, dass die Bibel an verschieden Stellen unterschiedliche Aussagen zur Auferstehung macht. Der Auferstehungsgedanke hat sich ebenso wie der Gedanke an eine Hölle religionsgeschichtlich entwickelt. Mehr dazu siehe Jesus Teil 7 bezüglich der Auferstehung und bezüglich der Hölle unter dem Link Querdenker im Buch "Der Pfarrer von Arget" den Kommentar von Pfarrer Willibald Glas.

 

Der Kriminalfall Ananias und Sapphira

Zu denken gibt einem jene Geschichte von Annanias und seiner Frau Sapphira, die unter den "wundertätigen Augen" des Petrus zu Tode kamen. Waren die Jünger Jesu Heilige oder waren es Extremisten, die auch vor einem Mord an ihren Anhängern nicht zurückschreckten?

Apostelgeschichte 5:1-6

Ein gewisser Mann jedoch mit Namen Ananias verkaufte zusammen mit Sapphira, seiner Frau, ein Besitztum und behielt insgeheim etwas von dem Preis, wovon auch seine Frau wusste, und er brachte nur einen Teil und legte ihn zu den Füßen der Apostel nieder. Petrus aber sprach: "Ananias, warum hast du dich vom Satan so dreist machen lassen, dem heiligen Geist gegenüber ein falsches Spiel zu treiben und von dem Preis des Feldes insgeheim etwas zurückbehalten? Blieb es nicht dein, solange es bei dir blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, weiter in deiner Gewalt? Warum beschlossest du eine solche Tat in deinem Herzen? Du hast ein falsches Spiel getrieben, und dies nicht Menschen sondern Gott gegenüber." Als Ananias diese Worte hörte, fiel er nieder und verschied. Und große Furcht kam über alle die davon hörten. Die jüngeren Männer aber standen auf, hüllten ihn in Tücher und trugen ihn hinaus und begruben ihn.

Man muss sich hier einmal überlegen, ob man jemanden wie Gott überhaupt betrügen kann, jemanden, der angeblich alles sieht und alles weiß, auch die geheimsten Gedanken, wie es in der Bibel behauptet wird (Hesekiel 5:11, Matthäus 10:29-30, Johannes 6:64).

Das Verhalten des Ananias ist sicher auch nicht begründet im mangelnden Vertrauen in Gott, sondern im mangelnden Vertrauen in die Apostel. Das zurückbehaltene Geld sollte ja wohl als Reserve dienen, falls Jesus doch nicht so bald kommt. Die Behauptung des Petrus, dass Ananias über das bei den Aposteln hinterlegte Geld frei verfügen konnte, wird durch die Apostelgeschichte widerlegt.

Apostelgeschichte 4:35

. . . und legten es (das Geld) jeweils zu den Füßen der Apostel nieder. Darauf wurde einem jeglichen zugeteilt, so, wie er bedürftig war.

Nehmen wir einmal wohlmeinend an, Ananias hat durch die Worte des Petrus einen Schock erlitten und ist dadurch zu Tode gekommen. Wären da nicht ein paar Worte des Bedauerns gegenüber seiner Frau angebracht gewesen? Hätte in diesem Fall Petrus nicht den heiligen Geist um Gnade bitten können? Die Frau war ja bereits durch den Tod ihres Mannes gestraft. Statt dessen verhängt er ein weiteres Todesurteil ("Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür und werden auch dich hinaustragen.") Hier erhebt sich Petrus selbst zum Richter und wird zum Inquisitor, zum Mörder. 

Gelegentlich wird hier von christlicher Seite behauptet, dass Gott hart durchgreifen musste, um in dieser Keimzelle des Christentums die Disziplin zu wahren. Was für ein Armutszeugnis für eine Organisation! Was für einen Staat hätten wir, wenn es jedem Jungunternehmer gestattet wäre, auf diese Weise die Disziplin in seinem Unternehmen herzustellen?

Auffallend ist auch die Eile, mit der man die Leiche beseitigte. Die Verwandten wurden nicht benachrichtigt. Die Leiche wurde nicht einbalsamiert.

Apostelgeschichte 5:6-7

Die jüngeren Männer aber standen auf, hüllten ihn (Ananias) in Tücher und trugen ihn hinaus und begruben ihn. Nach einer Zwischenzeit von etwa drei Stunden trat nun seine Frau herein, die nicht wusste, was geschehen war.

Mit seiner Frau machte man nun ebenfalls kurzen Prozess und hatte auf diese Art auch gleich einen lästigen Zeugen beseitigt, denn es ist anzunehmen, dass die Frau wusste, wo ihr Mann hingegangen war. Man hatte auf diese Weise ein Exempel statuiert und die Gemeinde in Angst und Schrecken versetzt.

Apostelgeschichte 5:11

Infolgedessen kam große Furcht über die ganze Versammlung und über alle, die von diesen Dingen hörten.

Ja - das ewige Leben war damals noch eine teuere Angelegenheit. Wenn man nicht sein gesamtes Hab und Gut an die Gemeinschaft ablieferte, konnte es einen den Kopf kosten. Aber Spaß beiseite! Die Methoden, mit denen hier die Einigkeit der Gemeinde hergestellt wurde, waren durchaus vergleichbar mit denen einer Terror-Organisation.

 

Die Lüdemann-Kriterien

Der Theologe Prof. Dr. Gerd Lüdemann ist in seinem Buch "Jesus nach 2000 Jahren - Was Jesus wirklich sagte und tat" dieser Frage nachgegangen. Zur Textanalyse hat er folgende Echtheits- und Unechtheitskriterien der Jesus-Worte zugrunde gelegt.

a) Unechtheitskriterien

Erstens sind solche Worte und Taten eindeutig unecht, in denen der erhöhte Herr redet und handelt bzw. als Sprecher und Akteur vorausgesetzt wird. Denn Jesus redete und handelte nach seinem Tod nicht mehr selbst. Da aber nicht auszuschließen ist, dass dem »Auferstandenen« Worte oder Taten des historischen Jesus zugeschrieben wurden - historischer Jesus und Christus des Glaubens waren für die frühen Christen identisch -, ist jeweils zu prüfen, ob nicht vielleicht den jeweiligen Worten des Erhöhten ein Wort des Irdischen zugrunde liegt.

Zweitens sind diejenigen Taten unhistorisch, die eine Durchbrechung von Naturgesetzen voraussetzen. Dabei ist es gleichgültig, dass die Menschen zur Zeit Jesu diese Gesetze nicht kannten bzw. nicht in naturwissenschaftlichen Kategorien gedacht haben.

Drittens besteht bei sämtlichen Worten Jesu ein Verdacht auf Unechtheit, wenn sie Antworten auf Gemeindesituationen in einer späteren Zeit geben.

Viertens sind diejenigen Worte und Taten unecht, die eine heidnische (und nicht jüdische) Zuhörerschaft voraussetzen. Denn es steht fest, dass Jesus ausschließlich im jüdischen Bereich tätig war.

b) Echtheitskriterien

Erstens dürften viele Worte und Taten Jesu auf der Grundlage des Anstößigkeitskriteriums als echt zu erweisen sein. Bezüglich der Taten Jesu gehört hierher beispielsweise sein Entschluss, sich von Johannes taufen zu lassen. Die Taufe Jesu war den Christen seit der allerältesten Zeit anstößig, und sie wurde von Anfang an auf verschiedene Weise umgebogen, vollständig verschwiegen oder von »Jesus« selbst zurückgewiesen.

Beispiele für anstößige Worte Jesu sind die in den Jesusgleichnissen auffällig häufig erscheinenden unmoralischen Helden: der Mann, der einen Schatz im Acker findet und diesen kauft, ohne seinen Fund zu melden (Matthäus 13:44), oder der ungerechte Haushalter, der - von seinem Herrn zur Rechenschaft aufgefordert - diesen betrügt, um bei den Schuldnern seines Herrn Unterschlupf zu finden (Lukas 16:1-7). Schließlich handelt Jesus oftmals selbst als unmoralischer Held und pflegt geselligen Verkehr mit Prostituierten und Zöllnern. Auch dies wurde in der jüngeren Tradition verändert bzw. »interpretiert«.

Zweitens ist das Differenzkriterium ein plausibler Weg, echtes Jesusgut zu ermitteln. Bei seiner Anwendung geht es um die Frage, ob »Jesusworte« aus den nachösterlichen Gemeinden abgeleitet werden können. Im negativen Fall, bei einer Differenz zwischen den Gemeinden und Jesus , kommt letzterer als Sprecher des jeweiligen Wortes in Betracht.

Drittens bietet das Wachstumskriterium eine gute Chance, authentisches Jesusgut zu identifizieren. Die Endgestalt eines Textes lässt sich mit einer Zwiebel vergleichen, von der sich eine Haut nach der anderen abziehen lässt. Je älter eine Texteinheit ist, desto stärker ist sie überlagert von jüngerer Überlieferung. Beispiele dafür liegen in den ethischen Radikalismen der Bergpredigt vor.

Viertens sei das Seltenheitskriterium genannt, das sich auf diejenigen Taten und Worte Jesu bezieht, die nur wenige (oder keine) Parallelen im jüdischen Bereich haben. Kandidaten hierfür sind das Wort Jesu vom absoluten Schwurverbot (Matthäus 5:34) und das absolute Verbot zu richten (Matthäus 7:1).

Fünftens lässt sich zur Eruierung echter Worte Jesu das Kohärenzkriterium verwenden, das jeweils die Frage stellt, ob sich aus einer bestimmten Aussage oder Tat eine nahtlose Zuordnung zu sicherem Jesusgut ergibt.

Nun lautet gelegentlich der Vorwurf, ein solches Unternehmen überschätze die eigenen Möglichkeiten, zwischen echt und unecht zu unterscheiden; bzw. es scheitere daran, dass die Urteile über echt und unecht in der Forschung zum Teil weit auseinander gehen. Wohlmeinende Theologen schätzen, dass etwa 70% der Jesusworte von Jesus stammen andere kommen nur auf etwa 30%. Meinungsvielfalt entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, sich der historischen Wirklichkeit mit dem Ziel größtmöglicher Objektivität zu nähern. Gelegentlich hört man auch den Einwand, dass in unechten Jesus-Worten durchaus der Geist Jesu enthalten sein könne. Manche nehmen auch zu der Schutzbehauptung Zuflucht, die Frage nach echt und unecht sei für den Glauben irrelevant. Dann beruht aber der Glaube nicht mehr auf Glaubwürdigkeit, sondern auf einem Wunschbild der Persönlichkeit jenes Jesus von Nazareth.

 

Mein Weg zu Jesus

Für einfache Privatpersonen waren solche Schriftrollen wie die Evangelien damals in der Herstellung meist zu teuer. Der Evangelist Johannes bekennt immerhin freimütig, wozu die Evangelien geschrieben wurden, nämlich als Propagandaschriften für die jungen christlichen Gemeinden.

Johannes 20:30-31

Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. (Luther’84)

Heiligt da der Zweck nicht die Mittel?

Als ich Anfang der siebziger Jahre mit Zeugen Jehovas über die Bibel diskutierte, überlegte ich mir  wie man herausfinden kann, was Legende ist und was Jesus wirklich gesagt oder getan hat. Da jeder Mensch positive und negative Seiten hat, kann man bei einer Propagandaschrift davon ausgehen, dass die negativen Seiten nur erwähnt werden, wenn sie nicht verschwiegen werden können, weil die Ereignisse bereits in anderen Zeit-Dokumenten aktenkundig sind. Also habe ich die Evangelien unter diesem Aspekt betrachtet. Ich hatte zwar so nur ein Negativ-Bild dieses Mannes gewonnen. Aber ich kann davon ausgehen, dass dieses Bild der Wahrheit entspricht.

Die Wahrheit ist oft wie ein kalter Lappen, der einem um das Gesicht weht. Als ich etwa 9 Jahre alt war, meinte mein Vater ich könnte dieses Jahr dem Christkind helfen. Es war kurz vor Weihnachten. Ich malte mir schon aus wie Englein durchs Fenster hereinschweben. Stattdessen ging ich gegen Abend mit meinem Vater in den nahe gelegenen Wald und wir suchten einen geeigneten Baum, den mein Vater nicht ganz legal absägte. Aber es war Nachkriegszeit und wir hatten kaum Geld. Die schöne Illusion über das Christkind löste sich in Nichts auf. Mitte der siebziger Jahre lösten sich auch meine Illusionen über den Gottesohn in Nichts auf. Aber auch die Realität hat ein wundervolles Gesicht, wenn man sie genauer betrachtet und wenn es sich nicht um Tod und den allmählichen alters- oder krankheitsbedingten Verfall handelt. Siehe den Link Bilder.


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